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Wie funktioniert das Herz? Kammern, Klappen und die Elektrik hinter jedem Schlag

Ihr Herz schlägt rund 100.000-mal am Tag. Wie vier Kammern, vier Klappen und ein eigenes elektrisches System das Blut durch den Körper treiben.

FactWonder Redaktion5 Min. Lesezeit3 Quellen

Kurze Antwort

Das Herz ist eine faustgroße Muskelpumpe, die Blut in zwei Kreisläufen durch den Körper bewegt. Die rechte Seite nimmt sauerstoffarmes Blut aus dem Körper auf und pumpt es in die Lunge, wo es Sauerstoff aufnimmt. Die linke Seite empfängt dieses sauerstoffreiche Blut aus der Lunge und pumpt es über die Aorta in den restlichen Körper. Jede Seite hat einen Vorhof oben und eine muskulösere Kammer unten; vier Klappen sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt. Jeder Schlag beginnt mit einem elektrischen Signal aus dem natürlichen Schrittmacher des Herzens, dem Sinusknoten – deshalb schlägt das Herz von selbst, in Ruhe etwa 60- bis 100-mal pro Minute.

In diesem Artikel (8)
  1. Eine Doppelpumpe
  2. Die Reise eines Bluttropfens
  3. Klappen: Einbahn-Türen
  4. Die Elektrik hinter jedem Schlag
  5. Das Herz in Zahlen
  6. Die Pumpe versorgen
  7. Das Herz gesund halten
  8. Kurz gesagt

Legen Sie die Hand auf die Brust, und Sie spüren ihn: einen gleichmäßigen Rhythmus, der seit der Zeit vor Ihrer Geburt kein einziges Mal ausgesetzt hat. Ihr Herz schlägt rund 100.000-mal am Tag und in einem durchschnittlichen Leben über 2,5 Milliarden Mal – ohne einen einzigen bewussten Befehl. Es ist Pumpe, elektrisches System und ein Satz präziser Ventile zugleich, verpackt in ein Organ etwa von der Größe einer Faust.

Eine Doppelpumpe

Das Herz liegt in der Mitte des Brustkorbs, hinter dem Brustbein zwischen den Lungenflügeln, leicht nach links geneigt. Eigentlich sind es zwei Pumpen nebeneinander, getrennt durch eine Muskelwand, die Herzscheidewand:

  • Die rechte Seite pumpt Blut in die Lunge.
  • Die linke Seite pumpt Blut in den restlichen Körper.

Jede Seite hat zwei Räume. Der obere, der Vorhof, sammelt ankommendes Blut. Der untere, die Kammer, ist dicker und muskulöser und treibt das Blut hinaus. Die linke Kammer hat die dickste Wand, denn sie muss Blut bis in die Zehen und ins Gehirn pumpen.

Die Reise eines Bluttropfens

Die vier Herzkammern und der Weg des Blutes
Blau: sauerstoffarmes Blut auf dem Weg zur Lunge. Rot: sauerstoffreiches Blut auf dem Weg in den Körper.

Laut dem US-amerikanischen National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI) fließt das Blut in fester Reihenfolge durchs Herz:

  1. Sauerstoffarmes Blut kehrt über zwei große Venen in den rechten Vorhof zurück.
  2. Es strömt durch die Trikuspidalklappe in die rechte Kammer.
  3. Die rechte Kammer pumpt es durch die Pulmonalklappe in die Lunge, wo es Kohlendioxid abgibt und Sauerstoff aufnimmt.
  4. Sauerstoffreiches Blut gelangt in den linken Vorhof.
  5. Es fließt durch die Mitralklappe in die linke Kammer.
  6. Die linke Kammer pumpt es durch die Aortenklappe in die Aorta, die größte Schlagader, und von dort in jedes Organ.

So entstehen zwei Kreisläufe: ein kurzer Lungenkreislauf und ein langer Körperkreislauf. In Ruhe bewegt das Herz etwa 5 Liter Blut pro Minute – ungefähr die gesamte Blutmenge eines Erwachsenen.

Teil Aufgabe
Rechter Vorhof Nimmt sauerstoffarmes Blut aus dem Körper auf
Rechte Kammer Pumpt Blut in die Lunge
Linker Vorhof Nimmt sauerstoffreiches Blut aus der Lunge auf
Linke Kammer Pumpt Blut in den ganzen Körper (dickste Wand)
Trikuspidal- und Mitralklappe Verhindern den Rückfluss in die Vorhöfe
Pulmonal- und Aortenklappe Verhindern den Rückfluss in die Kammern
Herzkranzgefäße Versorgen den Herzmuskel selbst mit Blut

Klappen: Einbahn-Türen

Die vier Herzklappen sind dünne, kräftige Gewebesegel, die sich nur in eine Richtung öffnen. Sie lassen Blut durch und schließen sich, damit es nicht zurückfließt. Genau das hört man mit dem Stethoskop. Laut NHLBI entsteht das vertraute „Lub-Dub“ durch zwei Klappengruppen: „Lub“, wenn die Klappen zwischen Vorhöfen und Kammern schließen, „Dub“, wenn Aorten- und Pulmonalklappe schließen.

Schließt eine Klappe nicht richtig, fließt etwas Blut zurück und erzeugt ein zusätzliches Geräusch, ein Herzgeräusch. Viele sind harmlos, manche deuten aber auf Klappenprobleme hin, die behandelt werden müssen.

Die Elektrik hinter jedem Schlag

Wie ein Herzschlag abläuft
Jeder Herzschlag folgt derselben elektrischen Abfolge.

Anders als die Muskeln in Ihren Armen wartet das Herz nicht auf Befehle des Gehirns. Es hat ein eigenes elektrisches System:

  • Eine kleine Zellgruppe im rechten Vorhof, der Sinusknoten, erzeugt ein elektrisches Signal. Er ist der natürliche Schrittmacher des Herzens.
  • Das Signal breitet sich über beide Vorhöfe aus; sie ziehen sich zusammen und drücken Blut in die Kammern.
  • Im AV-Knoten stockt das Signal für einen Sekundenbruchteil, damit sich die Kammern füllen können.
  • Dann rast das Signal über spezielle Fasern in die Kammern, die sich kraftvoll von unten nach oben zusammenziehen und das Blut herauspressen wie Zahnpasta aus der Tube.

Das Gehirn beeinflusst das Herz durchaus: Nerven und Hormone wie Adrenalin beschleunigen es bei Sport oder Angst und verlangsamen es in Ruhe. Der Grundrhythmus aber kommt vom Herzen selbst. Ein Elektrokardiogramm (EKG) zeichnet diese Signale über die Haut auf; so erkennen Ärzte Rhythmusstörungen.

Das Herz in Zahlen

Das Herz in Zahlen
Ein kleines Organ mit enormem Arbeitspensum.

Ein normaler Ruhepuls liegt bei Erwachsenen meist bei 60 bis 100 Schlägen pro Minute. Bei harter Belastung kann er sich mehr als verdoppeln, und die gepumpte Blutmenge pro Minute kann um ein Mehrfaches steigen. Trainierte Sportler haben oft einen Ruhepuls unter 60, weil ihr kräftigeres Herz pro Schlag mehr Blut auswirft.

Der Blutdruck misst die Kraft des Blutes auf die Arterienwände. Der erste Wert (systolisch) gilt für das Zusammenziehen der Kammern, der zweite (diastolisch) für die Pause zwischen den Schlägen.

Die Pumpe versorgen

Obwohl das Herz voller Blut ist, kann sein Muskel keinen Sauerstoff aus dem Blut in den Kammern aufnehmen. Er hat eine eigene Versorgung: die Herzkranzgefäße, die von der Aorta abzweigen und das Herz umschlingen. Verstopft eines davon, bekommt ein Teil des Herzmuskels keinen Sauerstoff mehr – ein Herzinfarkt. Schmerz oder Druck in der Brust, Atemnot und Schmerzen, die in Arm oder Kiefer ausstrahlen, sind Warnzeichen, bei denen sofort der Notruf gewählt werden muss.

Das Herz gesund halten

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen, doch ein Großteil des Risikos lässt sich senken. Regelmäßige Bewegung, Nichtrauchen, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Vollkorn, gesundes Gewicht, genug Schlaf sowie gut eingestellte Blutdruck-, Cholesterin- und Blutzuckerwerte helfen dem Herzen bei seiner lebenslangen Arbeit.

Kurz gesagt

  • Das Herz ist eine Doppelpumpe: rechts in die Lunge, links in den Körper.
  • Es hat vier Räume (zwei Vorhöfe, zwei Kammern) und vier Klappen, die das Blut in eine Richtung lenken.
  • Das „Lub-Dub“ ist das Schließen der Klappen.
  • Jeder Schlag beginnt im Sinusknoten, dem eingebauten Schrittmacher.
  • In Ruhe schlägt das Herz etwa 60–100-mal pro Minute und pumpt rund 5 Liter Blut pro Minute.
  • Der Herzmuskel wird über die Herzkranzgefäße versorgt.

Häufige Fragen

Auf welcher Seite liegt das Herz?

Das Herz liegt in der Mitte des Brustkorbs hinter dem Brustbein, leicht nach links geneigt. Die kräftige linke Kammer zeigt nach links unten – deshalb spürt man den Herzschlag links am deutlichsten.

Was ist ein normaler Ruhepuls?

Bei Erwachsenen gelten in Ruhe etwa 60 bis 100 Schläge pro Minute als normal. Trainierte Sportler haben oft weniger. Wirkt Ihr Puls ungewöhnlich oder haben Sie Beschwerden, sprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Woher kommt das „Lub-Dub“?

Die Herztöne entstehen beim Schließen der Klappen. „Lub“ ist das Schließen der Klappen zwischen Vorhöfen und Kammern, „Dub“ das Schließen von Aorten- und Pulmonalklappe, nachdem die Kammern gepumpt haben.

Ruht sich das Herz je aus?

Nur in winzigen Pausen zwischen den Schlägen. Herzmuskel ist für Dauerarbeit gebaut und wird über die Herzkranzgefäße besonders gut mit Blut versorgt, damit er ein Leben lang durchhält.

Quellen

  1. National Heart, Lung, and Blood Institute (NIH) – How the Heart Works
  2. National Heart, Lung, and Blood Institute (NIH) – How the Heart Beats
  3. National Heart, Lung, and Blood Institute (NIH) – Blood Flow

Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →