Warum gehen im Flugzeug die Ohren zu? Kabinendruck und Ohrtrompete
Im Flugzeug fallen die Ohren zu, weil sich der Kabinendruck schneller ändert, als das Mittelohr folgen kann. Warum die Landung schlimmer ist und was hilft.
Kurze Antwort
Im Flugzeug gehen die Ohren zu, weil sich beim Start und bei der Landung der Luftdruck in der Kabine ändert, während die Luft im Mittelohr noch eine Weile den alten Druck hat. Der Druckunterschied drückt auf das Trommelfell, das Ohr fühlt sich verstopft an. Ein schmaler Kanal, die Ohrtrompete, verbindet das Mittelohr mit dem Rachen; öffnet sie sich, etwa beim Schlucken oder Gähnen, strömt Luft durch, der Druck gleicht sich aus und es knackt. Die Landung ist meist unangenehmer, weil die Röhre Luft leichter hinaus- als hineinlässt.
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Das Flugzeug beginnt den Sinkflug, und plötzlich klingt alles dumpf. Die Ohren fühlen sich voll an, vielleicht sogar schmerzhaft – bis man schluckt und ein deutliches Knacken hört. Fast jeder, der fliegt, kennt das. Es ist eine kleine Physikstunde direkt in deinem Kopf.
Der Kabinendruck ändert sich
Auf Meereshöhe drückt die Luft mit rund 1.013 Hektopascal auf uns. Je höher man steigt, desto dünner die Luft und desto niedriger der Druck. In einer Reiseflughöhe von etwa 11 Kilometern beträgt der Außendruck weniger als ein Viertel des Werts auf Meereshöhe – viel zu wenig zum Atmen.
Flugzeuge haben deshalb eine Druckkabine, allerdings nicht mit vollem Meereshöhendruck. Das würde den Rumpf bei jedem Flug stark belasten. Die Luftfahrtvorschriften erlauben eine maximale „Kabinenhöhe“ von 8.000 Fuß (etwa 2.400 Metern). Im Reiseflug sitzt man praktisch in der Luft eines Bergdorfs.
Das Mittelohr ist eine Lufttasche
Hinter dem Trommelfell liegt das Mittelohr, ein kleiner luftgefüllter Raum mit den drei Gehörknöchelchen, die den Schall ans Innenohr weitergeben. Damit das Trommelfell frei schwingen kann, sollte der Luftdruck auf beiden Seiten gleich sein.
Das Mittelohr ist über einen etwa 3,5 cm langen, schmalen Kanal mit dem Nasenrachen verbunden: die Ohrtrompete oder Eustachische Röhre. Meist ist sie geschlossen. Beim Schlucken, Gähnen oder Kauen öffnet sie sich kurz und lässt etwas Luft zum Druckausgleich durch.
Warum es beim Steigflug knackt
Beim Steigen sinkt der Kabinendruck. Die im Mittelohr eingeschlossene Luft steht nun unter höherem Druck als die Kabine und wölbt das Trommelfell nach außen. Geräusche klingen gedämpft.
Zum Glück entweicht überschüssige Luft leicht. Der höhere Innendruck drückt die Röhre auf, Luft perlt in den Rachen, und es knackt leise. Viele bemerken das beim Start kaum.
Warum die Landung schwieriger ist
Beim Sinkflug kehrt sich die Lage um. Der Kabinendruck steigt, und nun drückt die Außenluft das Trommelfell nach innen. Um das auszugleichen, muss Luft durch die Ohrtrompete ins Mittelohr strömen.
Das ist schwieriger. Das rachenseitige Ende der Röhre ist weich und schlitzförmig, und der höhere Außendruck drückt es eher zu als auf. Schluckt man nicht oft genug, wächst der Unterschied, und das Ohr kann zu schmerzen beginnen. Man spricht dann vom Barotrauma des Ohrs.
Was hilft
Das Ziel ist einfach: die Ohrtrompete regelmäßig öffnen, besonders beim Sinkflug.
- Oft schlucken und gähnen. Bonbonlutschen oder Kaugummikauen regt das Schlucken an.
- Bei der Landung wach bleiben. Im Schlaf schlucken wir viel seltener.
- Valsalva-Manöver sanft probieren. Nase zuhalten, Mund schließen und behutsam pusten, wie beim Aufblasen eines Luftballons, bis die Ohren knacken. Niemals kräftig pressen.
- Toynbee-Manöver probieren. Nase zuhalten und gleichzeitig schlucken.
- Babys zum Schlucken bringen. Stillen, Fläschchen oder Schnuller bei Start und Landung reichen oft.
- Vorsicht bei Schnupfen und Allergie. Geschwollene Schleimhäute erschweren den Ausgleich. Vor einem Flug mit verstopfter Nase in der Apotheke oder ärztlich beraten lassen.
Spezielle Ohrstöpsel, die Druckänderungen verlangsamen, helfen manchen Menschen, vor allem Vielfliegern.
Wann zum Arzt?
Verlegte Ohren werden normalerweise innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden nach der Landung wieder frei. Bei starken Schmerzen, Hörminderung über ein, zwei Tage hinaus, Flüssigkeit, Blut oder Schwindel ist ein Arztbesuch angebracht. Große Druckunterschiede können gelegentlich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell oder einen kleinen Riss verursachen.
Dieselbe Physik erklärt, warum die Ohren im schnellen Aufzug, auf Passstraßen und – viel stärker – beim Tauchen zugehen.
Kurz gesagt
- Der Kabinendruck sinkt im Steigflug und steigt im Sinkflug; im Reiseflug fühlt er sich an wie 1.800–2.400 m Höhe.
- Das Mittelohr ist eine Lufttasche, deren Druck dem Außendruck entsprechen muss.
- Die Ohrtrompete verbindet es mit dem Rachen und öffnet sich beim Schlucken oder Gähnen.
- Die Landung ist schwieriger, weil höherer Außendruck die Röhre eher zusammendrückt.
- Schlucken, Gähnen, ein sanftes Valsalva-Manöver und Wachbleiben bei der Landung helfen.
- Anhaltende Schmerzen oder Hörminderung nach dem Flug sollten ärztlich abgeklärt werden.
Häufige Fragen
Warum tut es bei der Landung mehr weh?
Beim Sinkflug steigt der Kabinendruck, und der höhere Außendruck presst das weiche Ende der Ohrtrompete zusammen. Luft muss ins Mittelohr gedrückt werden – schwieriger, als sie beim Steigflug entweichen zu lassen.
Warum weinen Babys im Flugzeug?
Babys haben kürzere, waagerechtere Ohrtrompeten, die sich schwerer öffnen, und können ihre Ohren nicht absichtlich freimachen. Stillen, Fläschchen oder Schnuller bei Start und Landung bringen sie zum Schlucken und helfen.
Darf man mit Schnupfen fliegen?
Schnupfen oder Allergie können die Ohrtrompete anschwellen lassen und den Druckausgleich erschweren, manchmal schmerzhaft. Wer fliegen muss, fragt am besten in der Apotheke oder ärztlich nach; halten Ohrenschmerzen oder Hörminderung nach dem Flug an, zum Arzt.
Kann das Ohr Schaden nehmen?
Meist ist es nur unangenehm und vergeht nach Minuten bis Stunden. Selten verursacht ein großer Druckunterschied Flüssigkeit oder Blut hinter dem Trommelfell oder einen kleinen Riss (Barotrauma), der ärztlich behandelt werden sollte.
Quellen
- Mayo Clinic – Airplane ear: symptoms and causes
- U.S. Code of Federal Regulations, 14 CFR 25.841 – Pressurized cabins
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