Warum lachen wir? Die überraschende Wissenschaft des Lachens
Meist lachen wir gar nicht über Witze. Warum wir in Gesellschaft viel mehr lachen, warum Lachen ansteckt, Schmerz lindert und warum Affen auch lachen.
Kurze Antwort
Wir lachen vor allem, um uns mit anderen zu verbinden. In Gesellschaft lachen wir etwa 30-mal häufiger als allein, und die meisten Lacher folgen gewöhnlichen Bemerkungen statt Witzen. Lachen signalisiert Freundlichkeit, Verspieltheit und dass eine Situation nicht ernst ist – das stärkt Gruppen und entschärft Spannungen. Gemeinsames Lachen scheint zudem Endorphine freizusetzen, die körpereigenen Schmerzmittel. Lachen ist viel älter als Sprache: Menschenaffen lachen beim Kitzeln oder Spielen, und der Laut entstand wohl aus dem Hecheln beim wilden Toben.
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Denk an das letzte Mal, als du gelacht hast. Wahrscheinlich nicht über einen brillanten Witz, sondern über eine Bemerkung von Freunden, ein kleines Missgeschick oder einen gemeinsamen Blick. Lachen gehört zu dem, was wir am häufigsten tun – und trotzdem hat die Wissenschaft es lange kaum beachtet. Heute sehen Forschende darin weniger eine Reaktion auf Humor als eines unserer ältesten sozialen Werkzeuge.
Die meisten Lacher haben nichts mit Witzen zu tun
In den 1990er-Jahren tat der Psychologe Robert Provine mit seinen Studierenden etwas Einfaches: Sie belauschten Menschen an Alltagsorten wie Cafés und Einkaufszentren beim Lachen und notierten, was unmittelbar davor geschah.
Das Ergebnis überraschte. Nur ein kleiner Teil der Lacher folgte etwas, das einem Witz ähnelte. Die meisten kamen nach gewöhnlichen Sätzen wie „Bis später“ oder „Bist du sicher?“. Sprechende lachten zudem mehr als Zuhörende. Lachen, so Provine, dient vor allem dazu, Gespräche und Beziehungen zu steuern – nicht als Antwort auf Komik.
Ein Signal: „Wir sind Freunde“
Lachen transportiert mehrere Botschaften zugleich:
- Ich mag dich und bin keine Gefahr. Gemeinsames Lachen signalisiert Freundlichkeit und Offenheit.
- Das ist Spiel, kein Kampf. Lachen kann einen angespannten Moment oder eine Neckerei harmlos machen.
- Wir sehen die Welt gleich. Ein geteiltes Lachen zeigt gemeinsames Verständnis und stärkt Bindungen.
In einer Übersichtsarbeit von 2014 beschrieben die Neurowissenschaftlerin Sophie Scott und Kollegen Lachen als soziale Emotion, mit der Menschen Zuneigung, Zustimmung und Gruppenzugehörigkeit ausdrücken. Paare, die miteinander lachen, berichten etwa häufiger von großer Nähe.
Lachen und die körpereigenen Schmerzmittel
Herzhaftes Lachen ist körperlich anstrengend: wiederholtes, kräftiges Ausatmen, das Zwerchfell und Brustmuskeln beansprucht. Der Psychologe Robin Dunbar vermutete, dass dabei Endorphine freigesetzt werden – körpereigene Opioide, die auch bei sozialer Bindung eine Rolle spielen.
2011 zeigte sein Team Menschen in Gruppen Comedy-Videos und prüfte danach, wie lange sie Kälte oder eine enge Manschette aushielten. Nach gemeinsamem Lachen ertrugen die Teilnehmenden mehr Unbehagen als nach neutralen Videos. Das deutet darauf hin, dass Lachen Wohlfühlstoffe freisetzt, die uns den Menschen näherbringen, mit denen wir lachen.
Warum Lachen ansteckt
Hören wir jemanden lachen, lachen wir eher selbst. Bildgebende Studien zeigen, dass Lachgeräusche Hirnregionen aktivieren, die Gesichtsbewegungen vorbereiten – sie machen uns bereit mitzulachen. Darum ist ein Saal voller lachender Menschen so ansteckend, und darum nutzen Fernsehkomödien eingespielte Lacher.
Am stärksten ist der Effekt bei Menschen, die wir kennen. Das Lachen eines Freundes springt leichter über als das eines Fremden.
Auch Affen und Ratten lachen
Lachen ist viel älter als Sprache. Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans geben hauchige, hechelnde Laute von sich, wenn man sie kitzelt oder sie miteinander toben.
2009 nahmen Marina Davila Ross und Kollegen Kitzellaute junger Menschenaffen und menschlicher Babys auf und verglichen sie. Das Muster der Ähnlichkeiten passte zum Stammbaum der Menschenaffen – Lachen dürfte also vor über zehn Millionen Jahren bei einem gemeinsamen Vorfahren entstanden sein. Menschliches Lachen unterscheidet sich vor allem darin, dass wir beim Ausatmen in kurzen „Ha-ha“-Stößen lachen, während Affen oft ein- und ausatmend hecheln.
Selbst Ratten scheinen eine Version zu haben. Der Neurowissenschaftler Jaak Panksepp fand heraus, dass junge Ratten beim Kitzeln hohe Zirplaute ausstoßen und aktiv weiteres Kitzeln suchen.
Echtes und höfliches Lachen
Nicht jedes Lachen ist gleich. Spontanes Lachen, das herausplatzt, wenn etwas wirklich komisch oder schön ist, wird von älteren, emotionalen Hirnsystemen gesteuert. Höfliches Lachen, das Glucksen, mit dem wir zeigen, dass wir zuhören, ist bewusster und stützt sich auf Areale für willkürliche Bewegungen.
Menschen unterscheiden beides erstaunlich gut. Echtes Lachen ist meist höher, unregelmäßiger und hauchiger.
Kurz gesagt
- Die meisten Lacher folgen gewöhnlichen Bemerkungen, nicht Witzen.
- In Gesellschaft lachen wir etwa 30-mal häufiger als allein.
- Lachen signalisiert Freundlichkeit, Spiel und Verständnis und stärkt Bindungen.
- Gemeinsames Lachen setzt womöglich Endorphine frei und erhöht die Schmerzschwelle.
- Lachen ist ansteckend, besonders unter Freunden.
- Es ist uralt: Menschenaffen lachen beim Kitzeln, sogar Ratten zirpen vor Vergnügen.
Häufige Fragen
Warum ist Lachen ansteckend?
Lachen zu hören aktiviert Hirnregionen, die unsere eigenen Gesichtsmuskeln aufs Lächeln und Lachen vorbereiten. Diese Vorbereitung macht das Mitlachen leicht – deshalb wirken eingespielte Lacher und lachende Freunde so ansteckend.
Warum kann ich im falschen Moment nicht aufhören zu lachen?
Lachen ist teilweise eine unwillkürliche Reaktion älterer Hirnsysteme. Der Versuch, es in angespannten oder förmlichen Situationen zu unterdrücken, kann den Drang verstärken – besonders wenn noch jemand zu lachen beginnt.
Ist Lachen wirklich gesund?
Lachen kann Muskeln entspannen, die Schmerzschwelle erhöhen und soziale Bindungen stärken, die mit besserer Gesundheit verbunden sind. Behauptungen, Lachen heile Krankheiten, sind übertrieben – es ist eine hilfreiche Ergänzung, keine Behandlung.
Was unterscheidet echtes von höflichem Lachen?
Spontanes Lachen wird über andere Hirnbahnen gesteuert als absichtliches, höfliches Lachen. Zuhörer erkennen den Unterschied meist: Echtes Lachen ist höher, hauchiger und weniger kontrolliert.
Quellen
- Scott, S. K. u. a. (2014). The social life of laughter. Trends in Cognitive Sciences
- Dunbar, R. I. M. u. a. (2011). Social laughter is correlated with an elevated pain threshold. Proceedings of the Royal Society B
- Davila Ross, M., Owren, M. J. & Zimmermann, E. (2009). Reconstructing the evolution of laughter in great apes and humans. Current Biology
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