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Können Pflanzen Geräusche machen? Gestresste Tomaten klicken im Ultraschall

Durstige oder geschnittene Pflanzen senden Ultraschall-Klicks aus. Was eine Studie von 2023 fand und warum Pflanzen trotzdem nicht „schreien“.

FactWonder Redaktion3 Min. Lesezeit3 Quellen

Kurze Antwort

Ja. Eine Studie der Universität Tel Aviv von 2023 zeichnete auf, dass Tomaten- und Tabakpflanzen kurze Klicklaute im Ultraschallbereich erzeugen, zu hoch für menschliche Ohren. Gesunde Pflanzen waren fast still, mit weniger als einem Laut pro Stunde; Tomaten unter Trockenstress klickten dagegen etwa 35-mal pro Stunde, geschnittene Pflanzen etwa 15- bis 25-mal. Ein Computer konnte an den Lauten erkennen, ob eine Pflanze durstig oder verletzt war. Die Klicks entstehen wahrscheinlich, wenn sich in den Wasserleitungen der Pflanze Luftblasen bilden und platzen. Schmerzensschreie sind es nicht – Pflanzen haben kein Nervensystem –, doch andere Lebewesen könnten sie wahrnehmen.

In diesem Artikel (5)
  1. Das Experiment
  2. Woher die Klicks kommen
  3. Andere Wege, wie Pflanzen „sprechen“
  4. Schreien Pflanzen?
  5. Kurz gesagt

Wer durch ein stilles Gewächshaus geht, hört vielleicht nur einen Lüfter brummen. Mit dem richtigen Mikrofon aber würden einige Pflanzen ringsum klicken. 2023 veröffentlichten Forschende die ersten klaren Aufnahmen von Pflanzen, die Laute in die Luft abgeben – und zeigten, dass sich diese Laute ändern, wenn eine Pflanze in Not ist.

Das Experiment

Ein Team um die Evolutionsbiologin Lilach Hadany von der Universität Tel Aviv stellte Tomaten und Tabakpflanzen in schallisolierte Kisten, mit Ultraschallmikrofonen in etwa 10 Zentimetern Abstand. Manche Pflanzen waren gut gegossen, manche seit Tagen trocken, bei anderen war der Stängel durchgeschnitten.

Das Ergebnis: Gestresste Pflanzen erzeugten kurze Klicks, meist zwischen 20 und 100 Kilohertz. Das ist Ultraschall – über der Hörgrenze des Menschen, aber gut hörbar für viele Tiere wie Fledermäuse, Mäuse und manche Nachtfalter.

Wie viele Ultraschall-Klicks pro Stunde gestresste Pflanzen machen
Durchschnittliche Klicks pro Stunde laut Studie. Ungestresste Pflanzen waren nahezu still.

Tomaten unter Trockenstress klickten etwa 35-mal pro Stunde, geschnittene Tomaten etwa 25-mal. Tabak klickte seltener. Gesunde Pflanzen gaben weniger als einen Laut pro Stunde von sich. Auch in einem normalen Gewächshaus, nicht nur in den Kisten, zeigte sich dasselbe Muster.

Noch verblüffender: Ein mit den Aufnahmen trainiertes Machine-Learning-Programm konnte besser als zufällig unterscheiden, ob ein Laut von einer durstigen oder einer geschnittenen Pflanze stammte, von Tomate oder Tabak. Die Laute tragen also Information.

Woher die Klicks kommen

Pflanzen haben keine Stimmbänder. Die wahrscheinlichste Quelle ist Kavitation im Xylem, den dünnen Leitungen, die Wasser von den Wurzeln in die Blätter tragen. Fehlt Wasser, steigt die Spannung in diesen Säulen, und winzige Luftblasen können plötzlich entstehen und platzen. Jedes Platzen erzeugt einen Klick, ein bisschen wie Fingerknacken. Solche Vibrationen im Inneren von Pflanzen kannte man schon – aber nicht als Schall, der sich durch die Luft ausbreitet.

Andere Wege, wie Pflanzen „sprechen“

Auf welchen anderen Wegen Pflanzen Nachrichten senden
Pflanzen nehmen ihre Umgebung wahr und reagieren – ohne Gehirn oder Nervensystem.

Schall ist nur einer von mehreren Signalwegen:

  • Duftstoffe in der Luft. Von Insekten angefressene Blätter geben flüchtige Verbindungen ab. Nachbarpflanzen können sie wahrnehmen und ihre Abwehr hochfahren, und manche Düfte locken Feinde der Schädlinge an.
  • Elektrische Signale. 2013 zeigte eine Studie an der kleinen Pflanze Arabidopsis, dass eine Verletzung eines Blattes binnen Sekunden ein elektrisches Signal zu anderen Blättern schickt und Abwehrgene einschaltet. Dahinter stecken Proteine, die jenen in tierischen Nervenzellen ähneln.
  • Wurzeln und Pilze. Pflanzenwurzeln gehen Partnerschaften mit Pilzen ein, die Nährstoffe tauschen. Populäre Geschichten beschreiben ein „Wood Wide Web“, in dem Bäume einander füttern und warnen; eine Übersichtsarbeit von 2023 fand jedoch, dass viele dieser Behauptungen über die Belege hinausgehen.

Schreien Pflanzen?

Schlagzeilen behaupten manchmal, Pflanzen „schreien“, wenn sie verletzt werden. Das geht zu weit. Pflanzen haben kein Nervensystem und kein Gehirn, und es gibt keine Belege, dass sie Schmerz empfinden. Die Klicks sind ein physikalisches Nebenprodukt von Wasserstress, kein absichtlicher Schrei.

Die Studie legt aber nahe, dass die Klicks für andere nützlich sein könnten. Ein Falter, der eine gesunde Pflanze für seine Eier sucht, könnte eine klickende meiden, und vielleicht reagieren sogar andere Pflanzen. Diese Ideen müssen noch geprüft werden. Ganz praktisch könnten Mikrofone Landwirten eines Tages helfen, durstige Pflanzen zu erkennen, bevor sie welken.

Kurz gesagt

  • Eine Studie von 2023 zeichnete Ultraschall-Klicks von Tomaten und Tabak auf.
  • Durstige Tomaten klickten etwa 35-mal pro Stunde; gesunde Pflanzen waren fast still.
  • Ein Computer erkannte an den Lauten, welcher Stress eine Pflanze plagte.
  • Die Klicks stammen wohl von Luftblasen, die in den Wasserleitungen platzen.
  • Pflanzen senden auch Duftstoffe und elektrische Signale.
  • Pflanzen empfinden keinen Schmerz, ihre Laute könnten aber für andere informativ sein.

Häufige Fragen

Können Menschen Pflanzen hören?

Nicht direkt. Die 2023 aufgezeichneten Klicks lagen meist zwischen 20 und 100 Kilohertz, über der Hörgrenze des Menschen von etwa 20 Kilohertz. Spezielle Mikrofone und verlangsamte Aufnahmen machen sie hörbar.

Empfinden Pflanzen Schmerz?

Dafür gibt es keine Belege. Pflanzen haben weder Nerven noch Gehirn. Sie erkennen Schäden und reagieren mit chemischen und elektrischen Signalen, doch das sind automatische Reaktionen, keine Erlebnisse.

Hilft es, mit Pflanzen zu sprechen?

Dafür gibt es keine guten Belege. Manche Studien deuten an, dass Pflanzen auf Vibrationen reagieren, doch ein Effekt von Sprache wäre wohl klein im Vergleich zu Licht, Wasser, Nährstoffen und Temperatur.

Könnten Landwirte Pflanzengeräusche nutzen?

Die Forschenden halten es für möglich, dass Mikrofone in Gewächshäusern oder auf Feldern eines Tages erkennen, welche Pflanzen Wasser brauchen, bevor sie welken – für eine gezieltere Bewässerung.

Quellen

  1. Khait, I. u. a. (2023). Sounds emitted by plants under stress are airborne and informative. Cell
  2. Mousavi, S. A. R. u. a. (2013). Glutamate receptor-like genes mediate leaf-to-leaf wound signalling. Nature
  3. Karst, J. u. a. (2023). Positive citation bias and overinterpreted results lead to misinformation on common mycorrhizal networks in forests. Nature Ecology & Evolution

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