Wie trinken Pflanzen Wasser? Wie Bäume Wasser ohne Pumpe 100 Meter hochheben
Pflanzen haben kein Herz, doch die höchsten Bäume heben Wasser über 100 Meter. Wie Wurzeln, Xylem und Verdunstung aus Blättern Wasser nach oben ziehen.
Kurze Antwort
Pflanzen nehmen Wasser über die Wurzeln auf und leiten es in dünnen Röhren, dem Xylem, bis in die Blätter. Eine Pumpe gibt es nicht. Stattdessen verdunstet Wasser aus winzigen Poren der Blätter, den Spaltöffnungen oder Stomata – das nennt man Transpiration. Weil Wassermoleküle fest aneinander haften, zieht jedes verdunstende Molekül das nächste nach, sodass eine durchgehende Wassersäule von den Wurzeln nach oben gezogen wird. Dieser Kohäsions-Spannungs-Mechanismus wird von der Sonnenenergie angetrieben und kann Wasser in den höchsten Bäumen über 100 Meter hochheben.
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Der höchste Baum der Erde, ein Küstenmammutbaum in Kalifornien, ist etwa 116 Meter hoch. Jeden Tag muss Wasser von seinen Wurzeln bis zu den obersten Blättern reisen – höher als ein 30-stöckiges Haus. Es gibt kein Herz, keine Pumpe und keine beweglichen Teile. Wie also trinkt eine Pflanze?
Alles beginnt an den Wurzeln
Wasser gelangt über die Wurzeln in die Pflanze, vor allem über Millionen mikroskopisch kleiner Wurzelhaare nahe den Spitzen. Sie vergrößern die Fläche, die feuchten Boden berührt, enorm. Das Wasser wandert in die Wurzelzellen und von dort in die Leitungen der Pflanze.
Die Leitungen: das Xylem
Von den Wurzeln durch Stängel oder Stamm bis in jedes Blatt verlaufen Bündel dünner Röhren, das Xylem. Bei Bäumen besteht Holz größtenteils aus Xylem. Die Röhren bestehen aus abgestorbenen Zellen, deren Enden und Wände zu Rohren geworden sind und lange, durchgehende Kanäle bilden.
Das Wasser darin bildet eine ununterbrochene Säule von den Wurzeln bis in die Blätter. Die Frage ist: Was bewegt sie?
Der Motor: Verdunstung aus den Blättern
Die Blattoberfläche ist übersät mit mikroskopisch kleinen Poren, den Spaltöffnungen oder Stomata. Sie öffnen sich, um Kohlendioxid für die Fotosynthese hereinzulassen, lassen dabei aber auch Wasserdampf entweichen. Diesen Wasserverlust nennt man Transpiration.
Verdunstet ein Wassermolekül aus einem Blatt, hinterlässt es eine winzige Lücke. Wassermoleküle ziehen einander stark an (Kohäsion) und haften an den Wänden des Xylems (Adhäsion). Also wird das nachfolgende Molekül nach vorn gezogen, um die Lücke zu füllen, es zieht wiederum das nächste nach – bis hinunter zu den Wurzeln.
Das ist die Kohäsions-Spannungs-Theorie. Das Wasser im Xylem steht unter Zug, ein bisschen wie ein Seil, an dem von oben gezogen wird. Die Energie liefert die Sonne, die die Verdunstung antreibt. Die Pflanze selbst wendet fast nichts auf, um ihr Wasser zu heben.
Warum so viel verloren geht
Es wirkt verschwenderisch: Über 95 % des aufgenommenen Wassers verdunstet einfach. Doch die Transpiration leistet nützliche Arbeit. Sie hält die Wassersäule in Bewegung, transportiert gelöste Mineralstoffe aus dem Boden in die Blätter und kühlt die Blätter an heißen Tagen – ähnlich wie Schwitzen uns kühlt.
An heißen, trockenen Tagen können Pflanzen ihre Stomata schließen, um Wasser zu sparen. Der Preis: Weniger Kohlendioxid gelangt hinein, das Wachstum verlangsamt sich. Diesen Kompromiss zu steuern, ist eine der großen Herausforderungen im Leben einer Pflanze.
Die Grenze der Baumhöhe
Wasser immer höher zu ziehen, ist schwer. Je höher die Blätter, desto größer der Zug in der Wassersäule und desto schwerer bekommen die obersten Blätter genug Wasser. 2004 kletterte ein Team um George Koch auf die höchsten Mammutbäume und vermaß deren Blätter in verschiedenen Höhen. Blätter nahe der Spitze waren kleiner und stärker unter Wasserstress. Hochgerechnet schätzte das Team, dass die Physik des Wassertransports Bäume auf höchstens etwa 122–130 Meter begrenzt.
Zu viel Zug kann die Wassersäule auch reißen lassen. Im Xylem bilden sich dann Luftblasen, die die Röhre verstopfen – eine Embolie. Dürre macht das wahrscheinlicher, und so können schwere Dürren Bäume töten.
Kurz gesagt
- Pflanzen nehmen Wasser über die Wurzeln auf, vor allem über winzige Wurzelhaare.
- Das Wasser steigt in dünnen Röhren, dem Xylem, nach oben.
- Die Transpiration, die Verdunstung aus den Blattporen, zieht das Wasser hoch.
- Weil Wassermoleküle aneinander haften, reißt die Säule nicht ab.
- Über 95 % des Wassers verdunstet, transportiert aber Mineralstoffe und kühlt die Blätter.
- Die Physik des Wasserhebens begrenzt Bäume auf etwa 122–130 Meter.
Häufige Fragen
Warum welken Pflanzen bei Trockenheit?
Pflanzenzellen werden durch den Wasserdruck in ihrem Inneren straff gehalten. Verliert die Pflanze mehr Wasser, als sie aufnehmen kann, sinkt der Druck, und Blätter und Stängel hängen. Gießen hilft meist, wenn der Schaden nicht zu groß ist.
Trinken Pflanzen über die Blätter?
Meistens nicht. Blätter haben eine wachsartige Oberfläche, die die Wasseraufnahme begrenzt; fast alles Wasser gelangt über die Wurzeln hinein, vor allem über winzige Wurzelhaare nahe den Spitzen.
Was begrenzt, wie hoch ein Baum werden kann?
Eine Studie an kalifornischen Küstenmammutbäumen von 2004 ergab: Je höher das Wasser gezogen werden muss, desto schwerer bekommen die obersten Blätter genug Wasser zum Wachsen – das ergibt eine Höchstgrenze von etwa 122–130 Metern.
Warum schließen Pflanzen ihre Spaltöffnungen?
An heißen, trockenen Tagen schließen Pflanzen ihre Poren, um Wasser zu sparen. Dafür gelangt weniger Kohlendioxid hinein, und die Fotosynthese verlangsamt sich.
Quellen
Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →