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Warum schnurren Katzen? So entsteht das Schnurren – und das bedeutet es

Schnurren Katzen nur, wenn sie glücklich sind? Wie das Schnurren im Kehlkopf entsteht, was neue Forschung zeigt und was deine Katze dir sagen will.

FactWonder Redaktion4 Min. Lesezeit2 Quellen

Kurze Antwort

Katzen schnurren, indem ihre Stimmlippen etwa 20- bis 30-mal pro Sekunde schwingen. Eine Studie von 2023 zeigte, dass spezielles weiches Gewebe in den Stimmlippen diese tiefe Frequenz von selbst erzeugen kann. Schnurren bedeutet oft Wohlbefinden – Katzen schnurren aber auch bei Angst, Schmerzen oder wenn sie etwas wollen.

In diesem Artikel (8)
  1. Was für ein Geräusch ist Schnurren?
  2. Die alte Erklärung: rhythmisches Muskelzucken
  3. Der neue Befund: Die Stimmlippen schwingen von selbst
  4. Warum schnurren Katzen?
  5. Das „Füttere mich“-Schnurren
  6. Schnurren Großkatzen?
  7. Heilt Schnurren?
  8. Kurz gesagt

Das sanfte, vibrierende Brummen einer Katze auf dem Schoß gehört zu den vertrautesten Geräuschen im Tierreich. Wie Katzen es erzeugen, war jedoch lange ein Rätsel – und auch die Bedeutung des Schnurrens ist komplizierter, als man denkt.

Was für ein Geräusch ist Schnurren?

Schnurren ist ein tiefer, gleichmäßiger Ton, der beim Ein- und Ausatmen ohne Pause weiterläuft. Bei Hauskatzen liegt er meist bei 20 bis 30 Schwingungen pro Sekunde (20–30 Hz) – nahe an der unteren Hörgrenze des Menschen. Deshalb spürt man das Schnurren oft mehr, als man es hört.

Wie tief ist ein Schnurren? (Grundfrequenz, Hertz)
Die Grundfrequenz des Schnurrens kann sogar unter der menschlichen Stimme liegen – man spürt es ebenso wie man es hört.

Für ein Tier von der Größe einer Katze ist diese Frequenz erstaunlich tief. So tiefe Töne erzeugen normalerweise viel größere Tiere mit deutlich längeren Stimmlippen.

Die alte Erklärung: rhythmisches Muskelzucken

Jahrzehntelang galt folgende Theorie: Ein „Taktgeber“ im Gehirn schickt 20- bis 30-mal pro Sekunde Signale an die Kehlkopfmuskeln. Bei jedem Signal ziehen sie sich zusammen und entspannen sich wieder, öffnen und schließen so die Stimmlippen – und es entsteht das Schnurren.

Demnach wäre Schnurren etwas, das die Katze aktiv „spielt“ – ein bisschen wie ein extrem schnelles, wiederholtes Husten.

Der neue Befund: Die Stimmlippen schwingen von selbst

2023 veröffentlichten Christian Herbst und sein Team an der Universität Wien eine Studie, die dieses Bild veränderte. Sie untersuchten Kehlköpfe von Katzen, die eines natürlichen Todes gestorben waren. Als sie warme, feuchte Luft hindurchleiteten, schwangen die Kehlköpfe in Schnurrfrequenz – ganz ohne Nervensignale.

Wie schnurren Katzen? Die alte und die neue Erklärung
Versuche an isolierten Katzenkehlköpfen zeigten 2023, dass die Stimmlippen auch ohne Muskelsignal im Schnurrbereich schwingen können.

Das Geheimnis liegt offenbar in Polstern aus weichem Bindegewebe in den Stimmlippen der Katze. Sie machen die Stimmlippen schwerer, sodass diese langsamer und damit tiefer schwingen. Ein ähnlicher Mechanismus erzeugt beim Menschen die knarrende „Vocal Fry“-Stimme.

Das heißt nicht, dass das Gehirn keine Rolle spielt. Das Nervensystem wird weiterhin gebraucht, um das Schnurren zu starten, zu stoppen und zu steuern. Der Ton selbst kann aber aus der Gewebestruktur entstehen, ohne dass das Gehirn jede einzelne Schwingung antreibt.

Warum schnurren Katzen?

Die meisten verbinden Schnurren mit Glück – und liegen damit oft richtig. Katzen schnurren aber in ganz unterschiedlichen Situationen:

  • Wohlbefinden: beim Streicheln, an einem warmen Plätzchen oder entspannt neben ihrem Menschen.
  • Kommunikation mit der Mutter: Kätzchen schnurren beim Säugen, die Mutter schnurrt zurück. Schnurren ist von den ersten Lebenstagen an ein „Alles in Ordnung“-Signal.
  • Selbstberuhigung: Katzen können schnurren, wenn sie gestresst oder verletzt sind, bei der Geburt und sogar im Sterben. Dann ist Schnurren vermutlich ein beruhigendes Verhalten.
  • Bitten: Rund um die Fütterungszeit gibt es eine besondere Art von Schnurren – dazu gleich mehr.

Das „Füttere mich“-Schnurren

Eine Studie von Karen McComb an der University of Sussex aus dem Jahr 2009 brachte Erstaunliches zutage: Wenn Katzen Futter wollen, mischen sie in ihr Schnurren einen hohen, weinerlichen Ton.

Versuchspersonen hörten beide Arten von Schnurren und empfanden das „Bitt-Schnurren“ als dringlicher und weniger angenehm – selbst Menschen ohne eigene Katze. Laut den Forschenden liegt der Ton in einem ähnlichen Frequenzbereich wie Babygeschrei und könnte unseren natürlichen Fürsorgeinstinkt ansprechen.

Die Katze, die dir frühmorgens ins Gesicht schnurrt, drückt also wahrscheinlich eher den Wunsch nach Frühstück aus als Zuneigung.

Schnurren Großkatzen?

Schnurren ist in der Katzenfamilie verbreitet, aber nicht alle Arten können es gleich gut:

Art Schnurrt? Brüllt?
Hauskatze Ja Nein
Gepard, Puma, Luchs Ja Nein
Löwe, Tiger, Jaguar, Leopard Nicht durchgehend Ja

Brüllende Großkatzen haben einen anders gebauten Kehlkopf, der auf kraftvolle, tiefe Rufe ausgelegt ist. Sie können kurze, schnurrähnliche Laute machen, aber nicht das ununterbrochene Schnurren einer Hauskatze beim Ein- und Ausatmen.

Heilt Schnurren?

Im Internet liest man oft, Schnurren heile Knochen und Wunden. Die Idee stützt sich auf medizinische Studien, nach denen niederfrequente Vibrationen (etwa 25–50 Hz) beim Menschen die Knochendichte erhöhen können.

Ob Katzen diese Frequenzen zur eigenen Heilung nutzen, ist nicht belegt. Die Hypothese ist spannend und erforschenswert, sollte aber nicht als gesicherte Tatsache dargestellt werden.

Kurz gesagt

Katzen schnurren dank spezieller Gewebepolster in den Stimmlippen, die von selbst schwingen – das Gehirn startet und steuert den Vorgang. Schnurren bedeutet oft Wohlbefinden, dient aber auch der Selbstberuhigung in Stresssituationen und als Bitte an uns. Wer verstehen will, was die Katze meint, sollte neben dem Geräusch auch auf Situation und Körpersprache achten.

Häufige Fragen

Schnurren Katzen auch, wenn es ihnen schlecht geht?

Ja. Katzen können beim Tierarzt, bei Verletzungen oder während der Geburt schnurren. Dann dient das Schnurren vermutlich der Selbstberuhigung.

Schnurren Löwen und Tiger?

Die meisten Großkatzen, die brüllen können – Löwe, Tiger, Leopard, Jaguar –, können nicht durchgehend schnurren wie eine Hauskatze. Arten, die nicht brüllen, etwa Gepard, Puma und Luchs, schnurren dagegen.

Heilt Schnurren Knochen?

Es wird vermutet, dass Vibrationen um 25–50 Hz die Heilung von Knochen und Gewebe fördern könnten. Belastbare Belege, dass Katzen davon profitieren, gibt es bisher aber nicht – es bleibt eine spannende Hypothese.

Quellen

  1. Herbst u. a. (2023) – Domestic cat larynges can produce purring frequencies without neural input, Current Biology
  2. McComb u. a. (2009) – The cry embedded within the purr, Current Biology

Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →