Warum sind Flamingos rosa? Nahrung, Farbstoffe und Feder-Make-up
Flamingos schlüpfen grau, nicht rosa. Ihre Farbe stammt aus Farbstoffen in Algen und Krebschen – manche tragen sogar „Make-up“. Die Wissenschaft dahinter.
Kurze Antwort
Flamingos sind rosa wegen Carotinoid-Farbstoffen in ihrer Nahrung. Algen und Cyanobakterien in Salzseen bilden diese orangeroten Farbstoffe, Salinenkrebschen und andere Kleintiere fressen sie, und Flamingos filtern beides aus dem Wasser. Enzyme in der Leber wandeln die Farbstoffe um und lagern sie in wachsende Federn, Haut und Eidotter ein. Küken schlüpfen grauweiß und werden erst über einige Jahre rosa; Vögel ohne Carotinoide in der Nahrung verblassen allmählich.
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Ein Schwarm Flamingos auf einem See wirkt fast zu rosa, um echt zu sein. Doch kein Flamingo kommt in dieser Farbe zur Welt. Das berühmte Rosa ist geliehen – Bissen für Bissen von den winzigen Lebewesen im Wasser. Flamingos sind ein lebendes Beispiel für den Satz „Du bist, was du isst“.
Rosa vom unteren Ende der Nahrungskette
Die Farbe stammt aus einer Familie von Farbstoffen, den Carotinoiden. Dieselben Stoffe machen Karotten orange, Tomaten rot und Eidotter gelb. Tiere können Carotinoide nicht selbst herstellen; sie müssen sie fressen.
In den salzigen, flachen Seen, in denen Flamingos fressen, bilden Algen und Cyanobakterien die Carotinoide. Kleine Tiere wie Salinenkrebschen fressen die Algen und speichern die Farbstoffe – deshalb sind diese Krebschen oft selbst rötlich.
Ein Schnabel wie ein Sieb
Flamingos fressen mit dem Kopf nach unten. Sie ziehen ihren geknickten Schnabel durchs Wasser; kammartige Plättchen an den Rändern, die Lamellen, halten Krebschen, Algen und Samen zurück, während die Zunge das Wasser herauspumpt. Ein Zwergflamingo filtert so täglich enorme Wassermengen.
Die gefressenen Carotinoide werden im Darm aufgenommen und von Enzymen in der Leber umgebaut. Die veränderten Farbstoffe gelangen mit Blutfetten in Haut, wachsende Federn und Eidotter. Je mehr Carotinoide ein Vogel frisst, desto kräftiger seine Farbe. An manchen Seen sind Flamingos blassrosa, an anderen leuchtend korallen- oder karminrot.
Grau geboren, später rosa
Flamingoküken schlüpfen mit grauem oder weißem Dunenkleid. In den ersten Wochen füttern beide Eltern sie mit einer roten, fettreichen Flüssigkeit, der Kropfmilch, die im Verdauungstrakt der Eltern entsteht und von denselben Carotinoiden gefärbt ist. Ihre Herstellung kann die Eltern zeitweise sogar blasser werden lassen.
Junge Flamingos brauchen zwei bis drei Jahre bis zur vollen Erwachsenenfarbe. Bis dahin werden graue Federn nach und nach durch rosa ersetzt, während sich die Farbstoffe anreichern.
Flamingos schminken sich
2010 beschrieben Juan Amat und Kollegen ein überraschendes Verhalten bei Rosaflamingos. Die Vögel reiben den Kopf an einer Drüse am Schwanzansatz, der Bürzeldrüse, und verteilen das ölige Sekret dann auf Hals- und Flügelfedern. Dieses Öl steckt voller Carotinoide.
In der Brutzeit trugen die Flamingos es häufiger auf, und weil der Effekt nach Tagen verblasste, mussten sie es ständig erneuern. Die Forschenden sprachen von Make-up: einer Möglichkeit, rosiger auszusehen, als es die Nahrung allein erlaubt – denn kräftiger gefärbte Vögel finden oft früher einen Partner.
Wozu überhaupt rosa?
Farbe ist ein Signal. Ein kräftig rosa Flamingo zeigt, dass er gute Futterplätze gefunden hat und gesund genug ist, viel Farbstoff zu sammeln. Bei den Gruppenbalzen, in denen Hunderte Vögel gemeinsam marschieren, die Köpfe drehen und die Flügel spreizen, sind die farbigsten Tiere oft am erfolgreichsten.
In Zoos ist der Zusammenhang gut zu sehen. Früher wurden Flamingos mit gewöhnlichem Futter allmählich weiß. Heute mischen Zoos Carotinoide wie Canthaxanthin oder Beta-Carotin ins Futter, damit sie rosa bleiben.
Und das Stehen auf einem Bein?
Flamingos ruhen oft auf einem Bein, manchmal stundenlang. Es gibt mehrere Erklärungen, und endgültig geklärt ist die Frage nicht. 2017 zeigten Young-Hui Chang und Lena Ting, dass der Flamingokörper so gebaut ist, dass er selbst im Schlaf mit sehr wenig aktiver Muskelkraft auf einem Bein balancieren kann. Das Stehen auf einem Bein könnte also eine energiesparende Haltung sein. Außerdem verliert der Vogel im kalten Wasser so womöglich weniger Wärme über die nackten Beine.
Kurz gesagt
- Flamingos sind rosa wegen Carotinoiden, die Algen und Cyanobakterien bilden.
- Sie nehmen sie mit Salinenkrebschen und Algen auf, die sie mit dem Siebschnabel filtern.
- Die Leber bereitet die Farbstoffe auf und schickt sie in Federn, Haut und Eidotter.
- Küken schlüpfen grau und werden in zwei bis drei Jahren rosa.
- Rosaflamingos tragen in der Brutzeit carotinoidreiches Bürzeldrüsenöl wie Make-up auf.
- Ohne Carotinoide in der Nahrung verblassen Flamingos langsam.
Häufige Fragen
Sind Flamingoküken rosa?
Nein. Küken schlüpfen mit grauem oder weißem Dunengefieder und grauem Schnabel und Beinen. Ihre rosa Erwachsenenfarbe erhalten sie mit carotinoidreicher Nahrung über zwei bis drei Jahre.
Würde ein Flamingo ohne Krebschen weiß werden?
Mit der Zeit ja. Neue Federn wüchsen viel blasser nach. Deshalb mischen Zoos dem Futter Carotinoide wie Canthaxanthin oder Beta-Carotin bei.
Warum stehen Flamingos auf einem Bein?
Das ist noch umstritten. Eine Studie von 2017 zeigte, dass ein Flamingokörper mit wenig Muskelkraft auf einem Bein balancieren kann – die Haltung spart also womöglich Energie und verringert Wärmeverlust über die Beine.
Wie viele Flamingoarten gibt es?
Es gibt sechs Arten. Der Rosaflamingo ist am weitesten verbreitet und lebt in Teilen Afrikas, Südeuropas, der Türkei und Asiens; der Zwergflamingo ist am zahlreichsten.
Quellen
- Amat, J. A. u. a. (2010). Greater flamingos Phoenicopterus roseus use uropygial secretions as make-up. Behavioral Ecology and Sociobiology
- Chang, Y.-H. & Ting, L. H. (2017). Mechanical evidence that flamingos can support their body on one leg with little active muscular force. Biology Letters
- Smithsonian’s National Zoo – American flamingo
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