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Warum niesen wir? Niesreflex, Sonnenniesen und das Risiko des Unterdrückens

Wie entsteht ein Nieser, warum niesen manche beim Blick in die Sonne und ist es gefährlich, Niesen zu unterdrücken? Die Wissenschaft des Schutzreflexes.

FactWonder Redaktion5 Min. Lesezeit3 Quellen

Kurze Antwort

Niesen ist ein Schutzreflex, der beginnt, wenn Nervenenden in der Nase durch Staub, Pollen oder Keime gereizt werden. Der Trigeminusnerv leitet das Signal zum Hirnstamm. Dieser löst einen tiefen Atemzug, einen kurzen Verschluss des Kehlkopfs und dann ein explosionsartiges Ausatmen durch Mund und Nase aus. Ziel ist es, Fremdkörper aus den Nasengängen zu befördern.

In diesem Artikel (8)
  1. Die Wächter der Nase
  2. Ein Nieser Schritt für Schritt
  3. Wie stark ist ein Nieser?
  4. Was löst Niesen aus?
  5. Niesen beim Blick in die Sonne
  6. Ist Niesen unterdrücken gefährlich?
  7. Warum sagen wir „Gesundheit“?
  8. Kurz gesagt

Erst kitzelt es in der Nase, dann schließen sich die Augen wie von selbst – „Hatschi!“ Niesen ist ein ganz alltäglicher Moment, und doch steckt darin einer der kräftigsten und ältesten Schutzreflexe des Körpers. Manche Menschen niesen sogar, ohne dass irgendetwas ihre Nase reizt – einfach, weil sie in die Sonne schauen.

Die Wächter der Nase

Die Nase dient nicht nur dem Riechen, sie ist auch die erste Verteidigungslinie der Lunge. Ihre Schleimhaut ist mit klebrigem Schleim und winzigen Flimmerhärchen bedeckt, die einen Großteil von Staub, Pollen und Keimen aus der Atemluft abfangen.

In der Schleimhaut sitzen außerdem viele Nervenenden, die zum Trigeminusnerv gehören – dem Nerv für Berührung und Schmerz im Gesicht. Reizt etwas diese Nervenenden stark genug, schlägt das System Alarm.

Ein Nieser Schritt für Schritt

Der Niesreflex ist eine unwillkürliche Abfolge von Bewegungen, die nur wenige Sekunden dauert:

Fünf Schritte des Niesreflexes: Reizung, Trigeminusnerv, tiefes Einatmen, Kehlkopfverschluss und explosives Ausatmen
Die Reizung in der Nase aktiviert das „Nieszentrum“ im Hirnstamm, das binnen Sekunden eine koordinierte Explosion auslöst.
  1. Reizung: Ein Auslöser wie Staub, Pollen oder eine virusbedingte Entzündung reizt die Nervenenden in der Nase.
  2. Signal: Der Trigeminusnerv leitet die Meldung an das Nieszentrum im Hirnstamm.
  3. Vorbereitung: Der Hirnstamm lässt dich tief einatmen – der bekannte „Ha… ha…“-Moment.
  4. Druck: Der Kehlkopf schließt sich kurz, während sich Brust-, Bauch- und Zwerchfellmuskeln zusammenziehen und in der Lunge hohen Druck aufbauen.
  5. Explosion: Der Kehlkopf öffnet sich schlagartig, und Luft schießt durch Nase und Mund hinaus. Die Zunge hebt sich leicht, um einen Teil der Luft durch die Nase zu lenken, und die Augenlider schließen sich reflexartig.

Dabei arbeiten viele eng verbundene Muskeln gleichzeitig – deshalb kann ein kräftiger Nieser leichte Verspannungen in Nacken, Rücken oder Bauch hinterlassen.

Wie stark ist ein Nieser?

Im Internet liest man oft, Niesen erreiche 160 Kilometer pro Stunde. Messungen mit Hochgeschwindigkeitskameras deuten darauf hin, dass dieser Wert übertrieben ist: Die tatsächlichen Geschwindigkeiten schwanken stark von Mensch zu Mensch, liegen aber meist deutlich darunter.

Wirklich überraschend ist, wie weit sich ein Nieser ausbreitet. Lydia Bourouiba und ihr Team am MIT untersuchten Husten und Niesen mit Hochgeschwindigkeitskameras und stellten fest:

  • Große Tröpfchen fallen innerhalb weniger Meter zu Boden.
  • Kleine Tröpfchen werden aber in einer warmen, feuchten Luftwolke mitgetragen, die beim Niesen entsteht.
  • Diese Wolke lässt Tröpfchen viel weiter reisen als erwartet und eine Weile in der Luft schweben.

Die Befunde sind wichtig, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verstehen – und erklären, warum es so nachdrücklich empfohlen wird, beim Niesen Mund und Nase mit einem Taschentuch oder der Armbeuge zu bedecken.

Was löst Niesen aus?

Vier Auslöser für Niesen: Staub und Pollen, helles Licht, kalte Luft und Augenbrauenzupfen
Niesen kann nicht nur durch Staub und Pollen, sondern auch durch Licht, kalte Luft und sogar Augenbrauenzupfen ausgelöst werden.
  • Allergene und Staub: Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaare sind die häufigsten Auslöser. Bei Allergien reagiert das Immunsystem über und schüttet Histamin aus, das die Nervenenden reizt und zu Niesattacken führt.
  • Infektionen: Erkältungs- und Grippeviren entzünden die Nasenschleimhaut. Niesen ist der Versuch des Körpers, das Virus loszuwerden – und leider auch der Weg des Virus zu neuen Menschen.
  • Reizstoffe: schwarzer Pfeffer, Rauch, starke Gerüche und Parfüm.
  • Kalte Luft: Wer plötzlich in die Kälte tritt, reizt die Nasenschleimhaut.
  • Augenbrauen zupfen: Das reizt Äste des Trigeminusnervs im Gesicht, was bei manchen einen Nieser auslöst.

Niesen beim Blick in die Sonne

Wer beim Schritt aus einem dunklen Raum auf eine sonnige Straße niesen muss, ist nicht allein. Man spricht vom photischen Niesreflex, auf Englisch scherzhaft „ACHOO-Syndrom“ genannt. Studien zufolge betrifft er etwa jeden vierten Menschen.

Der Reflex ist erblich und tritt familiär gehäuft auf, seine Ursache ist aber nicht vollständig geklärt. Die gängigste Erklärung: Der Sehnerv, der den Pupillen das Signal zum Verengen gibt, und der Trigeminusnerv, der Empfindungen aus der Nase leitet, arbeiten im Gehirn sehr eng nebeneinander. Das starke Signal von hellem Licht wird womöglich teilweise als „Nase gereizt“ missverstanden.

Meist ist der Reflex harmlos. Manche Fachleute weisen aber darauf hin, dass er für Piloten oder Autofahrer bei hoher Geschwindigkeit an Tunnelausfahrten ein Risiko sein könnte.

Ist Niesen unterdrücken gefährlich?

In einem vollen Raum ist die Versuchung groß, einen Nieser mit zugehaltener Nase und geschlossenem Mund zu unterdrücken. Doch dann bleibt die explosive Energie in den Atemwegen eingeschlossen.

Seltene Fälle zeigen, dass das ernste Folgen haben kann. 2023 berichteten Ärzte in Schottland von einem Mann, der sich beim Niesen mit zugehaltener Nase und geschlossenem Mund einen Riss in der Luftröhre zuzog. Auch Verletzungen von Rachen und Trommelfell wurden schon beschrieben.

Methode Sicher?
In ein Taschentuch niesen Ja, die beste Wahl
In die Armbeuge niesen Ja, wenn kein Taschentuch da ist
In die Hände niesen Verteilt Keime auf die Hände
Mit zugehaltener Nase und geschlossenem Mund unterdrücken Nicht empfohlen, selten Verletzungen möglich

Ein Finger unter der Nase oder die Zunge fest gegen den Gaumen gedrückt kann einen Nieser manchmal verhindern, bevor er beginnt. Hat er einmal angefangen, lässt man ihn am besten sicher heraus.

Warum sagen wir „Gesundheit“?

Dem Niesenden etwas Gutes zu wünschen, ist in vielen Kulturen üblich. Im Deutschen sagt man „Gesundheit!“, im Englischen „Bless you!“ (Gott segne dich) und im Türkischen „Çok yaşa!“ (lebe lange), worauf der Niesende „Sen de gör!“ (erlebe es auch) antwortet.

Woher der Brauch stammt, ist nicht sicher. Manche Historiker verbinden ihn mit Zeiten, in denen Seuchen verbreitet waren und ein Nieser als Krankheitszeichen galt. Wissenschaftlich ändert der Wunsch nichts – als freundliche Geste lebt er aber weiter. Übrigens gilt es in manchen Kreisen inzwischen als höflicher, den Nieser einfach zu übergehen.

Kurz gesagt

Niesen ist ein kraftvoller Schutzreflex, ausgelöst durch gereizte Nervenenden in der Nase und gesteuert von Trigeminusnerv und Hirnstamm. Tiefes Einatmen, ein geschlossener Kehlkopf und ein explosives Ausatmen befördern Fremdkörper aus der Nase. Etwa jeder Vierte niest auch beim Blick in die Sonne. Weil gewaltsames Unterdrücken in seltenen Fällen zu Verletzungen führen kann, niest man am besten in ein Taschentuch oder die Armbeuge.

Häufige Fragen

Bleibt beim Niesen das Herz stehen?

Nein, das ist ein verbreiteter Mythos. Beim Niesen ändert sich der Druck im Brustkorb kurz, und der Herzrhythmus kann einen Moment schwanken. Das Herz bleibt aber nicht stehen.

Kann man beim Niesen die Augen offen halten?

Das ist sehr schwer, weil das Schließen der Lider zum Reflex gehört. Selbst wenn sie offen bleiben, fallen die Augen nicht heraus – auch das ist ein Mythos.

Ist es schädlich, Niesen zu unterdrücken?

Wer Nase zuhält und Mund schließt, erhöht den Druck in den Atemwegen stark. In seltenen Fällen wurden Verletzungen an Trommelfell, Rachen oder Luftröhre beschrieben. Am sichersten ist es, in ein Taschentuch oder die Armbeuge zu niesen.

Wie weit verbreitet sich ein Nieser?

Große Tröpfchen fallen innerhalb weniger Meter zu Boden. Kleine Tröpfchen können jedoch in der warmen, feuchten Luftwolke des Niesers viel weiter getragen werden und eine Weile in der Luft schweben.

Quellen

  1. Bourouiba u. a. (2014) – Violent expiratory events: on coughing and sneezing, Journal of Fluid Mechanics
  2. Keeton (1995) – Photic sneeze reflex, Neurology
  3. Misirovs u. a. (2023) – Spontaneous tracheal perforation following a sneeze, BMJ Case Reports

Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →