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Warum bekommt man beim Eisessen Kopfschmerzen? Das Geheimnis des Hirnfrosts

Was ist dieser stechende Schmerz in der Stirn, wenn man etwas Kaltes isst? Wie Hirnfrost entsteht, warum man ihn in der Stirn spürt und was schnell hilft.

FactWonder Redaktion4 Min. Lesezeit1 Quellen

Kurze Antwort

Hirnfrost ist ein kurzer Kopfschmerz, der entsteht, wenn etwas sehr Kaltes den Gaumen berührt. Die Kälte lässt Blutgefäße im Gaumen und die zum Gehirn führenden Gefäße sich erst verengen und dann rasch weiten. Diese plötzliche Veränderung bringt den Trigeminusnerv dazu, Schmerzsignale zu senden. Das Gehirn deutet sie nicht als Schmerz im Gaumen, sondern in der Stirn, die derselbe Nerv versorgt. Meist ist der Schmerz nach einigen Sekunden bis einer Minute vorbei.

In diesem Artikel (7)
  1. Friert das Gehirn wirklich ein?
  2. Wie entsteht Hirnfrost?
  3. Trifft es Schnellesser öfter?
  4. Wen trifft es am häufigsten?
  5. Was hilft gegen Hirnfrost?
  6. Warum ist Hirnfrost für die Forschung interessant?
  7. Kurz gesagt

Erinnerst du dich, wie du an einem heißen Sommertag einen großen Löffel Eis hastig in den Mund geschoben hast? Ein paar Sekunden später sticht ein scharfer Schmerz mitten in die Stirn. Du kneifst die Augen zusammen, legst den Löffel weg und wartest. Dieses seltsame, fast allen bekannte Erlebnis heißt Hirnfrost (englisch „brain freeze“). Doch wenn das Eis den Mund berührt hat – warum tut dann die Stirn weh?

Friert das Gehirn wirklich ein?

Nein. Trotz des Namens gefriert im Gehirn nichts. Schädel und Gehirn gehören zu den am besten geschützten Bereichen des Körpers, und ein paar Löffel Eis können ihre Temperatur nicht nennenswert verändern.

Hirnfrost ist eigentlich eine Form von Kopfschmerz. Sein langer medizinischer Name lautet Sphenopalatinum-Ganglioneuralgie, nach einem Nervenknoten direkt hinter dem Gaumen (Ganglion pterygopalatinum, früher sphenopalatinum). Man spricht auch von „Eiscreme-Kopfschmerz“ oder „Kältereiz-Kopfschmerz“.

Wie entsteht Hirnfrost?

Hirnfrost läuft in wenigen Schritten innerhalb von Sekunden ab:

Kaltes Eis am Gaumen, sich verengende und weitende Blutgefäße, Trigeminusnerv und Schmerz in der Stirn
Kälte trifft den Gaumen, Blutgefäße verengen und weiten sich schnell. Der Trigeminusnerv sendet Schmerzsignale, die das Gehirn in der Stirn verortet.

1. Kälte trifft den Gaumen

Der Gaumen, das Dach der Mundhöhle, ist reich an Nervenenden und Blutgefäßen. Berührt ihn etwas sehr Kaltes, sinkt seine Temperatur schnell.

2. Blutgefäße verengen sich – und weiten sich dann

Auf Kälte reagiert der Körper zunächst, indem er Blutgefäße verengt, um Wärmeverlust zu verringern. Dann erhöht er rasch die Durchblutung, um das Gehirn warm zu halten, und die Gefäße weiten sich.

In einer Untersuchung an der Harvard University tranken Versuchspersonen Eiswasser, während die Durchblutung ihres Gehirns gemessen wurde. In dem Moment, in dem der Hirnfrost einsetzte, stieg der Blutfluss in der vorderen Hirnarterie, die den vorderen Teil des Gehirns versorgt, stark an; der Schmerz ließ nach, als sich die Arterie wieder verengte. Die Forschenden vermuten in dieser raschen Erweiterung die Hauptursache des Schmerzes.

3. Der Trigeminusnerv schlägt Alarm

Die plötzlichen Gefäßveränderungen reizen den Trigeminusnerv, der Empfindungen aus dem größten Teil von Gesicht und Kopf leitet. Er sendet ein „Schmerz“-Signal ans Gehirn.

4. Der Schmerz wird in der Stirn gespürt

Jetzt kommt der seltsame Teil: Das Gehirn verortet den Schmerz nicht im Gaumen, sondern in Stirn und Schläfen. Der Trigeminusnerv leitet Empfindungen sowohl aus dem Gaumen als auch aus der Stirn, und das Gehirn kann nicht unterscheiden, aus welchem Ast das Signal kommt. Also projiziert es den Schmerz in die Region, die es am ehesten gewohnt ist – man spricht von übertragenem Schmerz.

Ähnliches passiert beim Herzinfarkt, wenn Schmerzen vom Herzen im linken Arm oder im Kiefer gespürt werden.

Trifft es Schnellesser öfter?

In einer augenzwinkernden Studie aus Kanada von 2002 wurden Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe sollte 100 Milliliter Eis in 5 Sekunden essen, die andere langsam.

Das Ergebnis war eindeutig: Wer das Eis hinunterschlang, bekam etwa doppelt so oft Hirnfrost wie die langsamen Esser. Die in der Weihnachtsausgabe des BMJ veröffentlichte Studie bestätigte wissenschaftlich die einfachste Vorbeugung: langsam essen.

Wen trifft es am häufigsten?

Nicht alle sind gleich empfindlich:

  • Menschen mit Migräne sind deutlich anfälliger – ein Hinweis darauf, dass Migräne und Hirnfrost ähnliche Gefäß- und Nervenmechanismen teilen könnten.
  • Kinder und Jugendliche essen Kaltes oft schneller und bekommen ihn daher häufiger.
  • Manche Menschen berichten, fast nie Hirnfrost zu haben.

Was hilft gegen Hirnfrost?

Die gute Nachricht: Hirnfrost vergeht meist von selbst nach 10 Sekunden bis einer Minute. Einige Tricks können ihn verkürzen:

Vier Wege gegen Hirnfrost: langsam essen, Zunge an den Gaumen drücken, etwas Lauwarmes trinken und die Kälte vorne halten
Am besten wirken Tricks, die den Gaumen vor Kälte schützen oder ihn schnell wieder aufwärmen.
Methode Warum sie wirkt
Zunge an den Gaumen drücken Die Wärme der Zunge wärmt den Gaumen rasch
Lauwarmes Wasser trinken Bringt die Mundtemperatur wieder ins Normale
Mund schließen, durch die Nase atmen Warme Atemluft kann den Gaumen erwärmen
Kaltes vorne im Mund halten Weniger Kontakt mit dem Gaumen
Langsam essen Verhindert, dass der Gaumen plötzlich auskühlt

Weiterzuessen, wenn der Schmerz schon da ist, verlängert ihn meist. Besser kurz pausieren und den Gaumen aufwärmen lassen.

Warum ist Hirnfrost für die Forschung interessant?

Der harmlose Schmerz ist ein spannendes Forschungswerkzeug. Hirnfrost ist ein sicherer, schneller und leicht auslösbarer Kopfschmerz. Deshalb untersuchen Forschende ihn, um die Mechanismen ernsterer Kopfschmerzen wie Migräne und Clusterkopfschmerz zu verstehen. Die Rolle plötzlicher Gefäßerweiterungen ist dabei eine zentrale Frage.

Kurz gesagt

Hirnfrost ist ein kurzer, harmloser Kopfschmerz, der entsteht, wenn etwas sehr Kaltes den Gaumen berührt und sich Blutgefäße rasch verengen und wieder weiten. Der Trigeminusnerv meldet diese Veränderung als Schmerz, den das Gehirn in der Stirn verortet. Wer schnell isst, bekommt ihn etwa doppelt so oft. Langsam essen, die Zunge an den Gaumen drücken oder etwas Lauwarmes trinken sind die einfachsten Mittel, um ihm vorzubeugen und ihn abzukürzen.

Häufige Fragen

Ist Hirnfrost gefährlich?

Nein. Hirnfrost ist kurz und harmlos. Das Gehirn friert nicht wirklich ein, und der Schmerz dauert meist weniger als eine Minute.

Warum bekommen manche Menschen nie Hirnfrost?

Die Empfindlichkeit ist verschieden. Studien zeigen, dass Menschen mit Migräne anfälliger sind, während manche fast nie Hirnfrost erleben.

Löst nur Eiscreme Hirnfrost aus?

Nein. Slush-Getränke, Eiskaffee, eiskalte Getränke und sogar Schnee können ihn auslösen, besonders wenn man sie schnell zu sich nimmt.

Kann auch kalte Winterluft Hirnfrost auslösen?

Wer sehr kalte Luft schnell durch den Mund einatmet, kann bei manchen einen ähnlichen Schmerz auslösen. Am häufigsten ist aber kaltes Essen oder Trinken am Gaumen der Auslöser.

Quellen

  1. Kaczorowski & Kaczorowski (2002) – Ice cream evoked headaches (ICE-H) study: randomised trial of accelerated versus cautious ice cream eating regimen, BMJ

Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →