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Warum haben wir Schluckauf? Ursachen und was wirklich hilft

Wie entsteht Schluckauf, woher kommt das „Hicks“ und was hilft dagegen? Zwerchfellkrämpfe, Theorien zur Evolution und Hausmittel, die getestet wurden.

FactWonder Redaktion5 Min. Lesezeit3 Quellen

Kurze Antwort

Schluckauf ist ein plötzliches, unwillkürliches Zusammenziehen des Zwerchfells, unseres wichtigsten Atemmuskels. Dabei wird Luft schnell in die Lunge gesogen; etwa 35 Millisekunden später schließen sich die Stimmlippen ruckartig und stoppen den Luftstrom. Das „Hicks“ ist das Geräusch dieses Verschlusses. Hastiges Essen, Kohlensäure, Alkohol und Aufregung können den Reflex auslösen. Meist hört Schluckauf nach wenigen Minuten von selbst auf.

In diesem Artikel (8)
  1. Die Anatomie des Schluckaufs
  2. Wer steuert den Reflex?
  3. Was löst Schluckauf aus?
  4. Warum gibt es Schluckauf? Evolutionäre Theorien
  5. Was hilft gegen Schluckauf?
  6. Wann zum Arzt?
  7. Der Rekord: 68 Jahre Schluckauf
  8. Kurz gesagt

Mitten in einer wichtigen Besprechung, in einem stillen Klassenzimmer oder direkt nach dem Essen – dieses unkontrollierbare „Hicks“. Schluckauf kennt fast jeder, doch kaum jemand denkt über ihn nach. Wie er entsteht, weiß die Wissenschaft recht genau. Warum es ihn gibt, ist dagegen bis heute umstritten.

Die Anatomie des Schluckaufs

Hauptdarsteller ist das Zwerchfell, ein großer, kuppelförmiger Muskel zwischen Brust- und Bauchraum. Bei jedem Einatmen zieht es sich zusammen und senkt sich. Der Brustraum weitet sich, und Luft strömt in die Lunge.

Beim Schluckauf gerät dieser gleichmäßige Rhythmus durcheinander, und zwei Dinge passieren blitzschnell nacheinander:

Plötzliches Zusammenziehen des Zwerchfells und Schließen der Stimmritze beim Schluckauf
Das Zwerchfell zieht sich unwillkürlich zusammen, Luft strömt ein, und etwa 35 Millisekunden später schließt sich die Stimmritze – das „Hicks“ entsteht.
  1. Das Zwerchfell zieht sich plötzlich zusammen. Dieser Krampf entzieht sich unserer Kontrolle; meist kontrahieren gleichzeitig die Muskeln zwischen den Rippen.
  2. Luft strömt ein. Die ruckartige Bewegung löst einen kräftigen Luftstrom Richtung Lunge aus.
  3. Die Stimmritze schließt sich. Rund 35 Millisekunden später schließt sich der Spalt zwischen den Stimmlippen, die Glottis, schlagartig. Der Luftstrom stoppt, und die zuklappenden Stimmlippen erzeugen das bekannte „Hicks“.

Schluckauf wiederholt sich meist 4- bis 60-mal pro Minute, und jeder Mensch hat dabei seinen eigenen Rhythmus.

Wer steuert den Reflex?

Schluckauf wird von einem Reflexbogen im Hirnstamm gesteuert. Er besteht aus drei Teilen:

  • Nerven, die das Signal leiten: vor allem der Vagusnerv und der Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus). Der Vagus meldet dem Gehirn, was in Magen, Speiseröhre und Rachen passiert; der Zwerchfellnerv steuert das Zwerchfell.
  • Die Zentrale: ein „Schluckaufzentrum“ im Hirnstamm, das mit den Atemzentren verbunden ist.
  • Die Antwort: Befehle an Zwerchfell und Kehlkopf.

Wird irgendein Punkt dieses Bogens gereizt, kann Schluckauf entstehen – deshalb sind die Auslöser so vielfältig.

Was löst Schluckauf aus?

Die häufigsten Ursachen für kurzen Schluckauf sind:

  • Zu schnell oder zu viel essen: Der plötzlich gedehnte Magen reizt den Vagusnerv.
  • Kohlensäurehaltige Getränke: Gas im Magen führt zur gleichen Dehnung.
  • Alkohol: reizt den Magen und wirkt auf das Nervensystem.
  • Plötzliche Temperaturwechsel: etwa ein eiskaltes Getränk direkt nach heißer Suppe.
  • Luftschlucken: beim Kaugummikauen, Rauchen oder hastigen Essen mit Reden.
  • Aufregung und Stress: Gefühle beeinflussen den Atemrhythmus.

Warum gibt es Schluckauf? Evolutionäre Theorien

Ob Schluckauf zu etwas gut ist, gehört zu den kuriosen Rätseln der Wissenschaft – bei Erwachsenen scheint er keinen erkennbaren Nutzen zu haben. Es gibt aber Hinweise.

Ein Reflex aus dem Mutterleib

Schluckauf taucht sehr früh in der menschlichen Entwicklung auf. Babys haben schon gegen Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels Schluckauf – noch bevor regelmäßige Atembewegungen einsetzen. Auch Neugeborene haben weit häufiger Schluckauf als Erwachsene.

Theorie 1: Luft aus dem Magen befördern

Nach einer Theorie, die der Psychologe Daniel Howes 2012 in BioEssays vorstellte, ist Schluckauf ein „Entlüftungsreflex“, der sich bei saugenden Säugetierjungen entwickelt hat. Babys schlucken beim Trinken Luft mit. Der plötzliche Sog im Brustkorb beim Schluckauf zieht die Luftblase aus dem Magen in die Speiseröhre, das anschließende Aufstoßen befördert sie hinaus – und es passt mehr Milch in den Magen.

Die Theorie soll erklären, warum Schluckauf offenbar nur bei Säugetieren vorkommt und warum Babys ihn so oft haben.

Theorie 2: ein Erbe kiemenatmender Vorfahren

Eine andere Sicht: Schluckauf ist ein Überbleibsel eines uralten Nervenschaltkreises, der der Kiemenatmung von Kaulquappen ähnelt. Kaulquappen ziehen Wasser ins Maul und schließen die Glottis, damit das Wasser über die Kiemen und nicht in die Lunge fließt – eine Bewegung, die dem Schluckauf verblüffend ähnelt.

Theorie 3: Das Gehirn lernt atmen

Eine Untersuchung mit Neugeborenen am University College London zeigte, dass jeder Schluckauf im Gehirn des Babys eine deutliche elektrische Antwortwelle auslöst. Möglicherweise hilft das dem kindlichen Gehirn zu lernen, die Atemmuskeln zu überwachen und zu steuern.

Keine dieser Theorien ist gesichert. Vielleicht ist Schluckauf einfach ein Reflex, der einst nützlich war und bei Erwachsenen überflüssig geworden ist.

Was hilft gegen Schluckauf?

Hausmittel gegen Schluckauf gibt es unzählige. Die meisten zielen darauf, den Reflexbogen irgendwie zu unterbrechen. Die wissenschaftliche Beweislage ist meist dünn, aber man kann nachvollziehen, warum manche wirken könnten:

Methoden gegen Schluckauf: Luft anhalten, kaltes Wasser, kräftiges Saugen und wann man zum Arzt sollte
Die meisten Methoden versuchen, den Reflex zu unterbrechen, indem sie die beteiligten Nerven auf andere Weise reizen.
Methode Mögliche Wirkung
10–20 Sekunden die Luft anhalten Kohlendioxid im Blut steigt, was die Krampfneigung des Zwerchfells senken kann
Kaltes Wasser in kleinen Schlucken Wiederholtes Schlucken reizt den Vagusnerv
Einen Löffel Zucker schlucken Reizt Nervenenden im Rachen und „lenkt“ den Reflex ab
Knie an die Brust ziehen Drückt auf das Zwerchfell und kann seinen Rhythmus ändern
In eine Papiertüte atmen Erhöht das Kohlendioxid (nur kurz und nie über den Kopf ziehen)

Eine Studie von 2021 testete ein Gerät, mit dem man Wasser kräftig durch einen speziellen, engen Strohhalm saugt. So werden gleichzeitig das Zwerchfell durch den starken Sog und der Vagusnerv durch das Schlucken gereizt. Die meisten Teilnehmenden berichteten, dass ihr Schluckauf aufhörte. Allerdings gab es keine Kontrollgruppe; die Ergebnisse müssen also noch bestätigt werden.

Dass Erschrecken hilft, ist nicht belegt. Ein Schreck bringt den Atemrhythmus durcheinander und scheint deshalb manchmal zufällig zu wirken.

Wann zum Arzt?

Fast jeder Schluckauf ist harmlos und verschwindet nach Minuten von selbst. Ärztlichen Rat solltest du einholen, wenn

  • der Schluckauf länger als 48 Stunden anhält,
  • er Essen, Schlafen oder Atmen erschwert,
  • Brust- oder Bauchschmerzen oder Erbrechen hinzukommen.

Lang anhaltender Schluckauf kann auf eine zugrunde liegende Ursache hinweisen, etwa Reflux, gereizte Nerven, Nierenprobleme, bestimmte Medikamente oder Erkrankungen des Nervensystems. Dann richtet sich die Behandlung nach dieser Ursache.

Der Rekord: 68 Jahre Schluckauf

Den längsten bekannten Schluckauf hatte der Amerikaner Charles Osborne. Er begann 1922 und endete erst 1990 – nach rund 68 Jahren. In dieser Zeit heiratete er, bekam Kinder und versuchte, ein normales Leben zu führen. Zum Glück sind solche Fälle extrem selten.

Kurz gesagt

Schluckauf ist ein Reflex, bei dem sich das Zwerchfell unwillkürlich zusammenzieht und kurz darauf die Stimmritze zuschnappt. Ein gedehnter Magen, Kohlensäure, Alkohol und Aufregung können ihn auslösen. Sein evolutionärer Zweck ist umstritten: Vielleicht hilft er Babys, Luft aus dem Magen loszuwerden, vielleicht ist er ein Überbleibsel eines uralten Nervenschaltkreises. Meist ist er nach Minuten vorbei – anhaltender Schluckauf gehört aber immer ärztlich abgeklärt.

Häufige Fragen

Warum hört Schluckauf von allein auf?

Die Nervensignale, die den Reflex auslösen, klingen meist nach einer Weile ab. Ist der Magen weniger gedehnt oder werden die Nerven nicht mehr gereizt, findet das Zwerchfell zu seinem normalen Rhythmus zurück.

Hilft Erschrecken gegen Schluckauf?

Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Ein Schreck verändert den Atemrhythmus und scheint deshalb manchmal zu wirken, verlässlich ist die Methode aber nicht.

Wann ist Schluckauf gefährlich?

Hält Schluckauf länger als 48 Stunden an, spricht man von anhaltendem Schluckauf. Er kann mit Sodbrennen, Nervenproblemen, Medikamenten oder anderen Erkrankungen zusammenhängen – dann sollte man ärztlichen Rat einholen.

Wie lange dauerte der längste Schluckauf?

Laut Aufzeichnungen hatte der Amerikaner Charles Osborne von 1922 bis 1990 Schluckauf – rund 68 Jahre lang.

Quellen

  1. NHS – Hiccups
  2. Howes (2012) – Hiccups: A new explanation for the mysterious reflex, BioEssays
  3. Alvarez u. a. (2021) – Evaluation of the Forced Inspiratory Suction and Swallow Tool to Stop Hiccups, JAMA Network Open

Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →