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Warum ist der Mars rot? Das rostige Geheimnis des Roten Planeten

Was gibt dem Mars seine rote Farbe? Der eisenoxidhaltige Staub, die Wasserspuren von 2025 und warum Sonnenuntergänge auf dem Mars blau sind.

FactWonder Redaktion5 Min. Lesezeit3 Quellen

Kurze Antwort

Der Mars ist rot, weil der feine Staub auf seiner Oberfläche Eisenoxide enthält – im Grunde Rost. Über Milliarden Jahre reagierte Eisen im vulkanischen Gestein mit Wasser und Atmosphäre, rostete, zerfiel zu Staub und wurde vom Wind über den ganzen Planeten verteilt. Die Staubschicht ist meist sehr dünn, darunter liegt dunkelgraues Vulkangestein.

In diesem Artikel (8)
  1. Eine Rostschicht im Planetenmaßstab
  2. Woher kam das Eisen – und wie rostete es?
  3. Die Überraschung von 2025: Wasser im Rost
  4. Welche Farbe hat der Marshimmel?
  5. Staubstürme, die den Planeten einhüllen
  6. Mars und Erde im Vergleich
  7. Was liegt unter dem Rot?
  8. Kurz gesagt

Orange-rot leuchtet der Mars am Nachthimmel und zieht seit Jahrtausenden die Blicke auf sich. Die Römer benannten ihn nach ihrem Kriegsgott, heute kennen wir ihn als „Roten Planeten“. Doch woher kommt die Farbe? Die Antwort hast du schon an einem alten Messer oder einer Fahrradkette gesehen: Rost.

Eine Rostschicht im Planetenmaßstab

Die Marsoberfläche ist von einer äußerst feinen Staubschicht bedeckt, meist nur Millimeter bis wenige Zentimeter dick. Der Staub ist fein wie Mehl und reich an Eisenoxiden.

Eisenoxide sind Verbindungen aus Eisen und Sauerstoff. Das bekannteste Beispiel auf der Erde ist der rotbraune Rost an Eisen, das im Regen lag. Eisenoxide reflektieren rotes und oranges Licht und schlucken einen Großteil des blauen und grünen. Deshalb erscheint uns der Mars rötlich.

Querschnitt der Marsoberfläche: oben dünner roter Staub, darunter dunkelgrauer Basalt
Die Röte des Mars stammt größtenteils von einer dünnen Staubschicht. Das Gestein darunter ist dunkelgrau.

Woher kam das Eisen – und wie rostete es?

Wie die Erde ist der Mars ein Gesteinsplanet, und ein Großteil seiner Kruste besteht aus vulkanischem Basalt, der viel Eisen enthält. Als der Planet jung und aktiv war, brachten gewaltige Vulkane dieses Gestein an die Oberfläche. Olympus Mons, der größte Vulkan im Sonnensystem, ist rund 22 Kilometer hoch – mehr als zweieinhalbmal so hoch wie der Mount Everest.

Damit Eisen im Gestein rostet, braucht es Sauerstoff und meist Wasser. Die Forschung diskutiert mehrere mögliche Wege:

  • Rosten mit Wasser: In seiner Frühzeit gab es auf dem Mars Flüsse, Seen und vielleicht einen Ozean. Wasser oxidierte das Eisen im Gestein langsam.
  • Reaktionen mit der Atmosphäre: UV-Licht der Sonne spaltet Wasserdampf und Kohlendioxid in der Luft und erzeugt oxidierende Stoffe, die Eisen über Milliarden Jahre langsam rosten lassen könnten.
  • Zerfall und Verteilung: Meteoriteneinschläge, Temperaturschwankungen und Wind zerrieben das Gestein zu Staub, den der Wind über den ganzen Planeten verteilte.

Die Überraschung von 2025: Wasser im Rost

Lange galt Hämatit als das Mineral, das dem Marsstaub seine Farbe gibt – ein trockenes Eisenoxid, das zur Entstehung kaum Wasser braucht. Das stützte die Idee, der Mars sei in einer weitgehend trockenen Umgebung gerostet.

2025 verglichen Forschende der Brown University und der Universität Bern Daten von Orbitern und Rovern mit Laborexperimenten. Das Ergebnis war bemerkenswert: Die Farbe des Marsstaubs ließ sich am besten mit Ferrihydrit erklären – einem Eisenoxid, das Wasser in seiner Struktur enthält.

Ferrihydrit bildet sich meist rasch dort, wo kaltes Wasser vorhanden ist. Der Befund legt nahe:

  • Der Mars könnte gerostet sein, als es auf seiner Oberfläche noch Wasser gab.
  • Diese Zeit hatte womöglich ein kaltes, aber feuchtes Klima.
  • Einmal gebildet, hat das Ferrihydrit unter den heutigen trockenen Bedingungen Milliarden Jahre überdauert.

Endgültig ist das nicht; neue Messungen müssen es bestätigen. Staub- und Gesteinsproben, die vom Mars zur Erde gebracht werden sollen, könnten die Frage direkt beantworten.

Welche Farbe hat der Marshimmel?

Der Staub färbt nicht nur den Boden, sondern auch die Luft. Die Marsatmosphäre ist sehr dünn, enthält aber ständig schwebende feine Staubteilchen, die Licht anders streuen als die Gasmoleküle der Erdluft:

  • Tagsüber wirkt der Himmel rötlich-braun oder „karamellfarben“, weil der Staub rotes Licht in alle Richtungen streut und einen Teil des blauen schluckt.
  • Bei Sonnenuntergang umgibt ein bläulicher Schein die Sonne. Der Staub streut blaues Licht vor allem nach vorn – also direkt um die Sonne herum –, und bei tiefer Sonne wird das deutlich sichtbar.

Das ist genau umgekehrt wie auf der Erde, wo der Himmel blau und das Abendrot rot ist. Mehr dazu in unserem Artikel Warum ist der Himmel blau?.

Staubstürme, die den Planeten einhüllen

Auf dem Mars gibt es weder Regen noch Pflanzen. Der Staub wird nicht festgehalten und vom Wind leicht aufgewirbelt. Lokale Staubstürme sind häufig, und alle paar Marsjahre hüllt ein globaler Staubsturm den ganzen Planeten wochenlang ein.

Der globale Sturm von 2018 verdunkelte den Himmel so stark, dass dem solarbetriebenen Rover Opportunity die Energie ausging. Nach fast 15 Jahren im Einsatz sendete er nie wieder ein Signal. Bei Stürmen wird der Staub schichtweise über den ganzen Planeten neu verteilt – deshalb sieht der Mars überall ähnlich rot aus.

Mars und Erde im Vergleich

Der Mars ähnelt der Erde in vielem, ist aber viel kleiner und kälter:

Vergleich von Durchmesser, Schwerkraft, Jahreslänge und Luftdruck des Mars mit der Erde
Der Mars ist etwa halb so groß wie die Erde, hat rund ein Drittel der Schwerkraft und weniger als 1 % des Luftdrucks.
Merkmal Mars Erde
Ein Tag (Sol) 24 h 37 min 24 h
Ein Jahr 687 Erdtage 365 Tage
Durchschnittstemperatur etwa −60 °C etwa 15 °C
Atmosphäre Sehr dünn, vor allem Kohlendioxid Stickstoff und Sauerstoff
Monde Phobos und Deimos Mond

Ein Marstag ist zwar fast so lang wie unserer, doch die dünne Atmosphäre hält keine Wärme. An einem Sommernachmittag am Äquator können es 20 °C sein – in derselben Nacht unter −70 °C.

Was liegt unter dem Rot?

Die Röte des Mars ist eigentlich nur ein Oberflächen-„Anstrich“. Bohren NASA-Rover in Gestein oder graben mit ihren Rädern im Boden, kommt dunkelgraues bis schwärzliches Gestein zum Vorschein. Stellenweise fanden sie unter dem Staub auch helle, durch Wasser entstandene Ton- und Salzminerale.

Die Farbe, die wir aus dem All sehen, ist also nicht die des ganzen Planeten, sondern die einer dünnen Rostschicht, die ihn überzieht.

Kurz gesagt

Der Mars ist rot wegen des feinen, eisenoxidhaltigen Staubs auf seiner Oberfläche. Vor Milliarden Jahren reagierte Eisen im Vulkangestein mit Wasser und Atmosphäre, rostete, zerfiel und wurde vom Wind über den Planeten verteilt. Die Befunde von 2025 deuten darauf hin, dass dieser Rost entstand, als der Planet noch kalt und feucht war. Die Farbe des Roten Planeten könnte also eine Erinnerung an seine wasserreiche Vergangenheit sein.

Häufige Fragen

Ist der Mars auch innen rot?

Nein. Die Röte stammt vor allem von der dünnen Staubschicht. Wenn Rover-Räder den Staub aufwühlen oder Bohrer ins Gestein dringen, kommt dunkelgrauer Basalt zum Vorschein.

Warum gibt es auf dem Mars so viel Staub?

Es gibt keinen Regen, der den Staub bindet, und keine Pflanzen. Deshalb wirbelt der Wind ihn ständig auf. In manchen Jahren hüllen globale Staubstürme den ganzen Planeten wochenlang ein.

Gibt es Wasser auf dem Mars?

Flüssiges Wasser kann sich heute an der Oberfläche nicht halten, doch an den Polen und im Untergrund gibt es große Mengen Eis. Ausgetrocknete Flusstäler und wasserhaltige Minerale im Staub zeigen, dass es früher reichlich Wasser gab.

Kann man den Mars mit bloßem Auge sehen?

Ja. Er erscheint als heller Punkt mit typisch orange-roter Färbung. Besonders hell ist er zur Opposition, wenn er der Erde am nächsten kommt – etwa alle 26 Monate.

Quellen

  1. NASA Science – Mars: Facts
  2. Valantinas u. a. (2025) – Detection of ferrihydrite in Martian red dust records ancient cold and wet conditions on Mars, Nature Communications
  3. ESA – Mars Express

Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →