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Wie machen Bienen Honig? Der Weg vom Nektar zum Honig

Wie machen Bienen Honig, warum wird Honig nicht schlecht und wie zeigen sich Bienen gegenseitig, wo die Blüten sind? Chemie und Kommunikation im Bienenstock.

FactWonder Redaktion5 Min. Lesezeit2 Quellen

Kurze Antwort

Honigbienen sammeln Nektar, eine zuckerhaltige Flüssigkeit, aus Blüten. Während sie ihn in der Honigblase tragen, spalten zugesetzte Enzyme den Haushaltszucker in Traubenzucker und Fruchtzucker und bilden etwas Säure. Im Stock wird der Nektar von Biene zu Biene weitergegeben, in Wabenzellen gefüllt und durch Flügelfächeln getrocknet. Sinkt der Wassergehalt unter etwa 18 %, wird die Zelle mit Wachs verdeckelt. Das dickflüssige, süße und saure Ergebnis ist Honig.

In diesem Artikel (8)
  1. Alles beginnt mit einer Blüte
  2. Wie aus Nektar Honig wird
  3. Wie sagen sich Bienen, wo die Blüten sind?
  4. Warum verdirbt Honig nicht?
  5. Warum wird Honig fest?
  6. Warum schmeckt Honig so unterschiedlich?
  7. Warum sind Bienen so wichtig?
  8. Kurz gesagt

Ein Löffel Honig auf dem Frühstückstisch ist das Ergebnis wochenlanger Arbeit Tausender Bienen. Ein Bienenstock ist eine außergewöhnliche Fabrik, die Zuckerchemie, Lüftungstechnik und die Fähigkeit, sich durch Tanzen zu verständigen, vereint. Ihr Rohstoff ist eine süße Belohnung, die Blüten den Bienen anbieten: Nektar.

Alles beginnt mit einer Blüte

Blüten bilden Nektar, um Insekten anzulocken, die sie bestäuben. Nektar ist eine süße Flüssigkeit, die größtenteils aus Wasser besteht und verschiedene Zucker enthält, vor allem Saccharose (Haushaltszucker). Je nach Pflanze liegt sein Wassergehalt meist zwischen 50 und 80 %.

Sammelbienen, die außerhalb des Stocks arbeiten, saugen den Nektar mit ihrem langen, röhrenförmigen Rüssel auf. Sie verdauen ihn nicht, sondern lagern ihn in einem besonderen Organ, der Honigblase. Eine Sammlerin kann fast ihr eigenes Körpergewicht an Nektar tragen – und muss dafür auf einem einzigen Flug oft Hunderte Blüten besuchen.

Wie aus Nektar Honig wird

Fünf Schritte vom Nektar zum Honig: Transport, Enzyme, Weitergabe, Verdunstung und Verdeckeln
Nektar wird durch Enzyme chemisch verändert und verliert durch das Fächeln der Bienen den Großteil seines Wassers – so entsteht Honig.

1. Die Chemie beginnt

Schon auf dem Rückflug gibt die Sammlerin Enzyme aus ihren Drüsen in den Nektar. Die wichtigsten:

  • Invertase spaltet jedes Saccharosemolekül in zwei kleinere Zucker: Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker). Sie sind leichter verdaulich und kristallisieren weniger als Saccharose.
  • Glukoseoxidase wandelt einen kleinen Teil der Glukose in Glukonsäure und etwas Wasserstoffperoxid um. Beides macht Honig sauer und widerstandsfähig gegen Mikroben.

2. Weitergabe

Im Stock übergibt die Sammlerin den Nektar von Mund zu Mund an Stockbienen – das nennt man Trophallaxis. Die Stockbienen bearbeiten den Nektar eine Weile, fügen weitere Enzyme hinzu und verteilen ihn in feinen Tröpfchen, damit Wasser verdunstet.

3. Verdunstung

Dann kommt der Nektar in die Wabenzellen, ist aber noch sehr wässrig. Bliebe er so, würde er gären und verderben. Also verwandeln die Bienen den Stock in einen riesigen Trockenraum:

  • Der Nektar wird dünn in den Zellen verteilt, um die Oberfläche zu vergrößern.
  • Hunderte Bienen fächeln gleichzeitig mit den Flügeln und erzeugen einen kräftigen Luftstrom.
  • Der Stock wird auf etwa 35 °C gehalten, was die Verdunstung beschleunigt.

Das kann Tage dauern. Am Ende sinkt der Wassergehalt von rund 70 % auf etwa 17–18 %.

4. Verdeckeln

Ist der Honig reif, verschließen die Bienen jede Zelle mit Bienenwachs. Es wird von jungen Arbeiterinnen als winzige Plättchen aus Drüsen am Hinterleib ausgeschieden und zurechtgekaut. Der verdeckelte Honig ist der Wintervorrat des Volkes und die Reserve für blütenarme Zeiten.

Wie sagen sich Bienen, wo die Blüten sind?

Findet eine Sammlerin eine ergiebige Futterquelle, kehrt sie in den Stock zurück und beschreibt den anderen den Weg. Dafür nutzt sie den Schwänzeltanz, entdeckt vom österreichischen Forscher Karl von Frisch, der dafür 1973 den Nobelpreis erhielt.

Der Winkel des Schwänzeltanzes auf der Wabe zeigt die Richtung der Blüten relativ zur Sonne
Auf der senkrechten Wabe steht „oben“ für die Sonne. Der Winkel des Tanzes zu dieser Richtung entspricht dem Winkel der Blüten zur Sonne.

So funktioniert der Tanz:

  • Richtung: Die Biene läuft auf der senkrechten Wabe eine gerade Strecke und wackelt dabei mit dem Hinterleib. Der Winkel dieser Strecke zur Senkrechten zeigt die Richtung der Blüten relativ zur Sonne. Zeigt die Linie 40 Grad rechts von oben, liegen die Blüten 40 Grad rechts der Sonne.
  • Entfernung: Je länger der Schwänzellauf dauert, desto weiter entfernt sind die Blüten.
  • Qualität: Je lebhafter und häufiger die Biene tanzt, desto ergiebiger ist die Quelle.

Lange war der Tanz umstritten; manche glaubten, Bienen folgten einfach dem Duft. In einer 2005 in Nature veröffentlichten Studie statteten Forschende Bienen, die einen Tanz beobachtet hatten, mit winzigen Radartranspondern aus – und zeigten, dass sie tatsächlich in die beschriebene Richtung und Entfernung flogen.

Warum verdirbt Honig nicht?

Richtig gelagert gehört Honig zu den wenigen natürlichen Lebensmitteln, die sich jahrelang halten. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Eigenschaft Wirkung auf Mikroben
Sehr wenig Wasser (17–18 %) Zu wenig Wasser zum Wachsen
Sehr viel Zucker Entzieht Mikroben durch Osmose Wasser und trocknet sie aus
Säure (pH etwa 3,5–4,5) Die meisten Bakterien überleben nicht
Etwas Wasserstoffperoxid Ein natürliches Antiseptikum

Honig zieht allerdings Feuchtigkeit aus der Luft. Bleibt das Glas offen, steigt der Wassergehalt, und er kann gären – also gut verschließen.

Warum wird Honig fest?

Viele halten festen Honig für gefälscht. Das stimmt nicht. Honig ist eine übersättigte Zuckerlösung: Er enthält mehr Zucker, als sich normalerweise lösen könnte. Mit der Zeit kristallisiert die Glukose aus, und der Honig wird fest.

  • Glukosereiche Honige wie Rapshonig werden schnell fest – oft schon nach wenigen Tagen.
  • Fruktosereiche Honige wie Akazienhonig bleiben lange flüssig.
  • Kühle Lagerung (etwa 10–15 °C) beschleunigt das Kristallisieren.

Ein warmes Wasserbad (unter 40 °C) macht festen Honig wieder flüssig. Zu viel Hitze schadet Enzymen und Aroma. In Deutschland wird fester Honig oft gezielt gerührt – so entsteht cremiger Honig mit feinen Kristallen.

Warum schmeckt Honig so unterschiedlich?

Farbe, Geschmack und Duft hängen davon ab, welche Pflanzen die Bienen besucht haben. Akazienhonig ist fast farblos und mild, Kastanienhonig dunkel und leicht bitter. Manche Honige, etwa Waldhonig oder Tannenhonig, entstehen gar nicht aus Nektar, sondern aus dem zuckerhaltigen Honigtau, den Insekten wie Blattläuse ausscheiden, nachdem sie Baumsaft gesaugt haben.

Warum sind Bienen so wichtig?

Honigbienen machen weit mehr als Honig. Sie spielen eine große Rolle bei der Bestäubung vieler Obst-, Gemüse- und Ölpflanzen. Die Erträge von Äpfeln, Kirschen, Raps und Sonnenblumen hängen stark von Bienen ab.

In den letzten Jahren gab es weltweit hohe Verluste bei Bienenvölkern. Forschende führen sie auf eine Kombination aus Parasiten wie der Varroamilbe, Krankheiten, manchen Pflanzenschutzmitteln, schlechter Ernährung und dem Klimawandel zurück. Bienen zu schützen ist deshalb nicht nur für den Honig wichtig, sondern für die Ernährungssicherheit.

Kurz gesagt

Honigbienen verwandeln Nektar mit Enzymen, geben ihn im Stock von Biene zu Biene weiter und fächeln den Großteil des Wassers weg. Sinkt der Wassergehalt unter etwa 18 %, verdeckeln sie die Zellen mit Wachs. Dank wenig Wasser, viel Zucker und Säure verdirbt Honig kaum. Und wo die besten Blüten sind, verraten sich die Bienen mit dem Schwänzeltanz – mit der Sonne als Kompass.

Häufige Fragen

Warum wird Honig nicht schlecht?

Honig enthält sehr wenig Wasser und sehr viel Zucker, der Mikroben das Wasser entzieht und sie austrocknet. Außerdem ist er sauer und enthält etwas Wasserstoffperoxid. Gut verschlossen hält er sich sehr lange.

Warum wird Honig fest? Ist fester Honig gefälscht?

Nein. Beim Festwerden kristallisiert der Traubenzucker aus – ein natürlicher Vorgang. Traubenzuckerreiche Honige wie Rapshonig werden schneller fest. Ein warmes Wasserbad macht ihn wieder flüssig.

Dürfen Babys Honig essen?

Säuglinge unter einem Jahr sollten keinen Honig bekommen. Bakteriensporen, die in Honig vorkommen können, können bei Babys mit noch unreifer Darmflora den gefährlichen Säuglingsbotulismus auslösen.

Wie viel Honig macht eine Biene?

Eine Sommerbiene lebt nur wenige Wochen und erzeugt in ihrem Leben nur einen winzigen Bruchteil eines Teelöffels Honig. Ein Glas Honig ist die Gemeinschaftsleistung Tausender Bienen.

Quellen

  1. Riley u. a. (2005) – The flight paths of honeybees recruited by the waggle dance, Nature
  2. USDA Agricultural Research Service – Honey Bee Health and Colony Collapse

Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →