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Wie leuchtet die Sonne? Die Geschichte der Kernfusion in ihrem Inneren

Wie erzeugt die Sonne Licht und Wärme, wie gelangt ihre Energie zu uns und wann erlischt sie? Kernfusion im Sonnenkern und die Schichten der Sonne erklärt.

FactWonder Redaktion5 Min. Lesezeit3 Quellen

Kurze Antwort

Im Kern der Sonne verschmelzen Wasserstoffkerne zu Helium – das nennt man Kernfusion. Das entstehende Helium ist etwas leichter als der Wasserstoff, aus dem es gebildet wurde. Die fehlende Masse wird nach Einsteins Formel E = mc² zu enormer Energie. Pro Sekunde wandelt die Sonne rund 4 Millionen Tonnen Masse in Energie um, die als Licht und Wärme ins All strömt.

In diesem Artikel (8)
  1. Wie groß ist die Sonne?
  2. Die Schichten der Sonne
  3. Der Motor der Sonne: Kernfusion
  4. Warum explodiert oder kollabiert die Sonne nicht?
  5. Die lange Reise des Lichts
  6. Die Zukunft der Sonne
  7. Ist Fusionsenergie auf der Erde möglich?
  8. Kurz gesagt

Die Sonne, die jeden Morgen aufgeht, ist die Energiequelle für fast alles Leben auf der Erde. Die Fotosynthese der Pflanzen, der Wasserkreislauf, der den Regen speist, die Winde und sogar die Energie in fossilen Brennstoffen – alles sind letztlich Formen von Sonnenlicht. Wie funktioniert diese gewaltige Lichtquelle, und wie leuchtet sie seit Milliarden Jahren?

Wie groß ist die Sonne?

Die Sonne ist ein gewöhnlicher, aber riesiger Stern:

Eigenschaft Wert
Durchmesser Etwa 1,39 Mio. km (109-mal so groß wie die Erde)
Volumen Rund 1,3 Millionen Erden passen hinein
Masse 99,8 % der gesamten Masse des Sonnensystems
Alter Etwa 4,6 Milliarden Jahre
Entfernung zur Erde Im Mittel rund 150 Mio. km

Die Sonne besteht überwiegend aus Wasserstoff (etwa 73 %) und Helium (etwa 25 %). Diese Gase sind so heiß, dass die Atome ihre Elektronen verloren haben – es entsteht ein elektrisch geladener Zustand namens Plasma.

Die Schichten der Sonne

Im Inneren ist die Sonne aufgebaut wie eine Zwiebel, und jede Schicht hat eine andere Aufgabe:

Kern, Strahlungszone, Konvektionszone, Photosphäre und Korona der Sonne mit ihren Temperaturen
Im Kern entsteht die Energie, sie kriecht durch die Strahlungszone und wird in der Konvektionszone von brodelnden Gasströmen an die Oberfläche getragen.
  • Kern: das Zentrum mit rund 15 Millionen °C, in dem die gesamte Energie erzeugt wird.
  • Strahlungszone: Hier wandert Energie als Lichtteilchen, als Photonen, nach außen. Die Materie ist aber so dicht, dass jedes Photon ständig absorbiert und in zufällige Richtungen neu ausgesandt wird. Die Durchquerung kann Zehntausende Jahre dauern.
  • Konvektionszone: Energie wird von riesigen heißen Gasströmen transportiert, die wie kochendes Wasser im Topf auf- und absteigen.
  • Photosphäre (Oberfläche): die rund 5.500 °C heiße Schicht, von der das sichtbare Licht ausgeht.
  • Korona: die äußere Atmosphäre der Sonne, bei totalen Sonnenfinsternissen als weißer Strahlenkranz sichtbar. Erstaunlicherweise ist sie mit 1 bis 3 Millionen °C viel heißer als die Oberfläche.

Der Motor der Sonne: Kernfusion

Im Sonnenkern sind Temperatur und Druck so extrem, dass Wasserstoffkerne zusammenstoßen und verschmelzen können. Das nennt man Kernfusion.

Normalerweise stoßen sich Atomkerne ab, weil sie positiv geladen sind. Um sie zu verschmelzen, muss diese Abstoßung überwunden werden. Die 15 Millionen Grad im Kern verleihen den Teilchen Geschwindigkeiten von Hunderten Kilometern pro Sekunde, und der enorme Druck durch das Eigengewicht der Sonne presst sie zusammen. Leicht ist Fusion trotzdem nicht: Ohne einen Quanteneffekt namens „Tunneleffekt“ reichte selbst die Hitze der Sonne nicht aus.

Vier Wasserstoffkerne werden zu einem Heliumkern und setzen Energie frei
Vier Wasserstoffkerne verbinden sich in mehreren Schritten zu einem Heliumkern; die winzige verlorene Masse wird zu riesiger Energie.

Der Vorgang verläuft in mehreren Schritten, zusammengefasst:

  • Vier Wasserstoffkerne (Protonen) verbinden sich zu einem Heliumkern.
  • Dieser Heliumkern ist etwa 0,7 % leichter als die vier Protonen, aus denen er entstand.
  • Die fehlende Masse wird nach Einsteins berühmter Formel E = mc² zu Energie. Weil c – die Lichtgeschwindigkeit – so riesig ist, bedeutet schon eine winzige Masse enorm viel Energie.

Pro Sekunde wandelt die Sonne etwa 600 Millionen Tonnen Wasserstoff in Helium um, wobei rund 4 Millionen Tonnen Masse vollständig zu Energie werden. Das klingt nach viel, doch die Sonne ist so gewaltig, dass sie in diesem Tempo Milliarden Jahre weiterleuchten kann.

Warum explodiert oder kollabiert die Sonne nicht?

Die Sonne befindet sich in einem ständigen Gleichgewicht:

  • Die Schwerkraft ihrer riesigen Masse will sie nach innen zusammenpressen.
  • Hitze und Druck der im Kern erzeugten Energie drücken nach außen.

Beide Kräfte halten sich die Waage. Läuft die Fusion etwas schneller, dehnt sich die Sonne leicht aus, der Kern kühlt ab, und die Fusion verlangsamt sich. Läuft sie langsamer, zieht sich die Sonne etwas zusammen, der Kern heizt sich auf, und die Fusion beschleunigt wieder. Dieses selbstregulierende System lässt die Sonne Milliarden Jahre stabil leuchten.

Die lange Reise des Lichts

Hat das Sonnenlicht die Oberfläche verlassen, erreicht es die Erde in etwa 8 Minuten und 20 Sekunden. Wer zur Sonne blickt, sieht sie also so, wie sie vor 8 Minuten war.

Die eigentliche Reise begann aber viel früher. Die im Kern erzeugte Energie irrt durch die Strahlungszone, weil Photonen immer wieder absorbiert und neu ausgesandt werden – wie in einem Labyrinth. Schätzungen zufolge dauert es Zehntausende, vielleicht Hunderttausende Jahre, bis sie die Oberfläche erreicht. Die Energie im Sonnenlicht, das heute dein Gesicht wärmt, entstand womöglich im Sonnenkern, bevor Menschen die ersten Höhlenbilder malten.

Die Zukunft der Sonne

Die Sonne ist etwa 4,6 Milliarden Jahre alt und hat rund die Hälfte des Wasserstoffs in ihrem Kern verbraucht. Die Forschung sagt ihre Zukunft so voraus:

  1. In der nächsten Milliarde Jahre: Die Sonne wird langsam heller – in ferner Zukunft könnten dadurch die Ozeane der Erde verdampfen.
  2. In etwa 5 Milliarden Jahren: Geht der Wasserstoff im Kern zur Neige, bläht sich die Sonne zu einem Roten Riesen auf, verschluckt Merkur und Venus und reicht vielleicht bis zur Erdbahn.
  3. Die letzte Phase: Sie stößt ihre äußeren Schichten als planetarischen Nebel ab. Zurück bleibt ein erdgroßer, extrem dichter, langsam abkühlender Weißer Zwerg.

Für eine Supernova oder ein Schwarzes Loch ist die Sonne zu leicht – sie müsste mindestens mehrere Male massereicher sein. Wie Schwarze Löcher entstehen, erklären wir in Was ist ein Schwarzes Loch?.

Ist Fusionsenergie auf der Erde möglich?

Seit Jahrzehnten versucht die Forschung, das Prinzip der Sonne auf der Erde nachzubauen. Fusionsenergie verspricht eine Energiequelle ohne CO₂-Ausstoß, ohne langlebigen radioaktiven Abfall und mit Brennstoff, der sich aus Meerwasser gewinnen lässt.

Auf der Erde fehlt aber der gewaltige Druck der Sonne. Fusionsreaktoren müssen daher Temperaturen über 100 Millionen °C erreichen – heißer als der Sonnenkern. Daran arbeiten das internationale Projekt ITER in Frankreich und Versuchsanlagen in mehreren Ländern, darunter der Stellarator Wendelstein 7-X des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald. 2022 gewann ein US-Labor erstmals mehr Energie aus einem Fusionsexperiment, als per Laser in den Brennstoff gesteckt wurde. Bis zu kommerziellen Fusionskraftwerken ist es aber noch ein weiter Weg.

Kurz gesagt

Die Sonne ist ein riesiger Kernfusionsreaktor, der in ihrem Kern Wasserstoffkerne zu Helium verschmilzt. Die dabei verlorene winzige Masse wird nach E = mc² zu enormer Energie. Diese braucht Zehntausende Jahre vom Kern an die Oberfläche und dann nur 8 Minuten bis zur Erde. Dank des Gleichgewichts zwischen Schwerkraft und innerem Druck wird die Sonne noch etwa 5 Milliarden Jahre stabil leuchten.

Häufige Fragen

Ist die Sonne ein Feuerball – brennt da etwas?

Nein. Verbrennung ist eine chemische Reaktion und braucht Sauerstoff. In der Sonne verschmelzen Atomkerne – ein nuklearer Vorgang, der millionenfach mehr Energie freisetzt als die Verbrennung derselben Masse.

Wann erlischt die Sonne?

Die Sonne ist etwa 4,6 Milliarden Jahre alt und hat rund die Hälfte ihres Brennstoffs verbraucht. In etwa 5 Milliarden Jahren wird sie sich zu einem Roten Riesen aufblähen, dann ihre äußeren Schichten abstoßen und als langsam verglühender Weißer Zwerg enden.

Kann die Sonne explodieren oder zum Schwarzen Loch werden?

Nein. Dafür ist die Sonne nicht massereich genug – sie müsste mindestens mehrere Male schwerer sein, um als Supernova zu explodieren oder ein Schwarzes Loch zu bilden.

Warum ist die Sonnenoberfläche kühler als die Korona?

Das ist eines der großen Rätsel der Sonnenphysik. Die Oberfläche hat etwa 5.500 °C, die äußere Atmosphäre, die Korona, dagegen Millionen Grad. Vermutlich transportieren Magnetfelder Energie in die Korona; die NASA-Sonde Parker Solar Probe erforscht das.

Quellen

  1. NASA Science – Sun: Facts
  2. NASA Space Place – How Does the Sun Produce Energy?
  3. NASA Space Place – How Big Is the Sun?

Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →