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Wie funktioniert KI wie ChatGPT? Sprachmodelle einfach erklärt

Chatbots wie ChatGPT schreiben, indem sie das nächste Textstück vorhersagen. Wie Sprachmodelle trainiert werden und warum sie manchmal etwas erfinden.

FactWonder Redaktion5 Min. Lesezeit2 Quellen

Kurze Antwort

KI-Chatbots wie ChatGPT beruhen auf großen Sprachmodellen: riesigen neuronalen Netzen, die mit gewaltigen Textmengen darauf trainiert werden, vorherzusagen, was als Nächstes kommt. Der Text wird in kleine Stücke, sogenannte Tokens, zerlegt; bei jedem Schritt berechnet das Modell, wie wahrscheinlich jedes mögliche nächste Token ist, wählt eines aus, hängt es an und wiederholt den Vorgang. Die meisten modernen Modelle nutzen das 2017 vorgestellte Transformer-Design, das gewichtet, wie jedes Wort mit jedem anderen zusammenhängt. Nach diesem Vortraining werden sie mit von Menschen geschriebenen Beispielen feinabgestimmt und mit menschlichem Feedback angepasst, damit sie Anweisungen folgen und hilfreiche Antworten geben. Weil sie plausiblen Text erzeugen, statt Fakten nachzuschlagen, können sie Falsches selbstsicher behaupten.

In diesem Artikel (8)
  1. Die Kernidee: das nächste Stück vorhersagen
  2. Neuronale Netze und Parameter
  3. Der Transformer: Aufmerksamkeit schenken
  4. Wie ein Chatbot trainiert wird
  5. Was Chatbots gut können
  6. Ihre Grenzen
  7. Ist das wirklich intelligent?
  8. Kurz gesagt

Bitten Sie einen Chatbot, Schwarze Löcher zu erklären, eine E-Mail zu entwerfen oder ein Gedicht über Ihre Katze zu schreiben – in Sekunden entsteht flüssiger, oft beeindruckender Text. Werkzeuge wie ChatGPT, Gemini und Claude gehören seit Ende 2022 für Hunderte Millionen Menschen zum Alltag. Aber was passiert eigentlich im Inneren? Denkt der Computer, durchsucht er eine riesige Datenbank oder tut er etwas ganz anderes? Die Antwort ist einfacher und zugleich seltsamer, als viele erwarten.

Die Kernidee: das nächste Stück vorhersagen

Im Herzen eines Chatbots arbeitet ein großes Sprachmodell (Large Language Model, LLM). Seine Grundaufgabe klingt fast zu simpel: Zu einem gegebenen Text vorhersagen, was als Nächstes kommt.

Wie ein Sprachmodell durch Vorhersage des nächsten Tokens schreibt
Ein Sprachmodell sagt immer wieder das nächste Token voraus, hängt es an und beginnt von vorn.
  1. Ihr Text wird in kleine Stücke zerlegt, die Tokens. Ein Token kann ein kurzes Wort, ein Teil eines längeren Wortes oder ein Satzzeichen sein.
  2. Das Modell, ein riesiges neuronales Netz, verarbeitet alle bisherigen Tokens.
  3. Es berechnet für jedes mögliche nächste Token eine Wahrscheinlichkeit. Nach „Die Katze sitzt auf dem“ erhalten Wörter wie „Sofa“ oder „Teppich“ hohe Werte, „Vulkan“ einen sehr niedrigen.
  4. Ein Token wird ausgewählt, meist eines der wahrscheinlichsten, mit etwas Zufall, damit der Text natürlich klingt.
  5. Dieses Token wird angehängt, und der ganze Vorgang wiederholt sich, Token für Token, bis die Antwort fertig ist.

Deshalb erscheinen Chatbot-Antworten nach und nach auf dem Bildschirm: Sie entstehen Stück für Stück.

Neuronale Netze und Parameter

Ein neuronales Netz ist eine mathematische Struktur, lose vom Gehirn inspiriert. Es besteht aus Schichten einfacher Einheiten, verbunden durch Parameter – Zahlen, die festlegen, wie stark ein Signal das nächste beeinflusst. Große Sprachmodelle haben Milliarden Parameter.

Zu Beginn des Trainings sind diese Zahlen zufällig und die Vorhersagen Unsinn. Das Training passt sie schrittweise an, bis die Vorhersagen besser werden. Niemand programmiert Grammatikregeln oder Fakten direkt ein; das Modell erfasst Muster über Sprache und Welt selbst aus den Daten.

Der Transformer: Aufmerksamkeit schenken

Die meisten modernen Sprachmodelle nutzen den Transformer, den Google-Forschende 2017 in einem Artikel mit dem einprägsamen Titel Attention Is All You Need vorstellten. Kernstück ist der Aufmerksamkeitsmechanismus (Attention), mit dem das Modell gewichtet, wie relevant jedes Token für jedes andere ist.

Nehmen Sie den Satz: „Der Pokal passte nicht in den Koffer, weil er zu groß war.“ Um gut vorherzusagen, muss das Modell erkennen, dass „er“ den Pokal meint. Attention verknüpft weit auseinanderliegende Wörter und baut Kontext auf. Transformer können zudem viele Tokens parallel verarbeiten – erst das machte es praktikabel, sie mit leistungsstarken Chips auf riesigen Textmengen zu trainieren.

Wie ein Chatbot trainiert wird

Wie ein Chatbot wie ChatGPT trainiert wird
Das Training verläuft in mehreren Stufen, vom Rohtext zum hilfreichen Assistenten.

Einen Chatbot zu bauen, umfasst meist mehrere Stufen:

Stufe Was passiert Ergebnis
Vortraining Das Modell lernt an riesigen Textmengen aus Büchern, Websites und anderen Quellen, das nächste Token vorherzusagen Breites Wissen über Sprache und Welt
Feinabstimmung Training mit von Menschen geschriebenen Fragen und guten Antworten Folgt Anweisungen, antwortet im Gesprächsstil
Menschliches Feedback (RLHF) Menschen vergleichen und bewerten Antworten; das Modell wird auf die bevorzugten hin angepasst Hilfreichere, ehrlichere und sicherere Antworten
Nutzung Antworten entstehen Token für Token, teils mit Werkzeugen wie Suche Der Chatbot, mit dem Sie sprechen

Ein Artikel von Long Ouyang und Kollegen bei OpenAI aus dem Jahr 2022 beschrieb, wie dieses Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF) ein Modell weit besser darin machte, Anweisungen zu befolgen. In ihren Tests bevorzugten Menschen die Antworten eines deutlich kleineren, so trainierten Modells gegenüber denen eines viel größeren Modells ohne dieses Training.

Was Chatbots gut können

Sprachmodelle sind stark bei Aufgaben, die auf sprachlichen Mustern beruhen:

  • Begriffe in einfachen Worten erklären,
  • Texte zusammenfassen und übersetzen,
  • E-Mails, Aufsätze und Code entwerfen und überarbeiten,
  • Ideen sammeln und Nachfragen beantworten.

Viele Denkaufgaben können sie Schritt für Schritt lösen, besonders neuere Modelle, die darauf trainiert sind, vor der Antwort „nachzudenken“.

Ihre Grenzen

Die Grenzen von KI-Chatbots
Wer die Grenzen kennt, nutzt Chatbots klüger.

Weil ein Sprachmodell plausiblen Text erzeugt, statt Fakten nachzuschlagen, hat es wichtige Schwächen:

  • Halluzinationen: Es kann selbstsichere, flüssige, aber schlicht falsche Aussagen machen, inklusive Zitaten oder Quellen, die es nicht gibt.
  • Wissensstichtag: Die Trainingsdaten enden an einem bestimmten Datum. Ohne Suchwerkzeug kennt es spätere Ereignisse nicht.
  • Verzerrungen: Weil es aus menschlichen Texten lernt, kann es deren Vorurteile widerspiegeln, auch wenn Entwickler das zu verringern versuchen.
  • Keine eingebaute Faktenprüfung: Es gleicht seine Aussagen nicht automatisch mit verlässlichen Quellen ab.

Bei wichtigen Themen wie Gesundheit, Recht, Geld oder Sicherheit sollten Sie Chatbot-Antworten als Ausgangspunkt sehen und mit vertrauenswürdigen Quellen oder Fachleuten prüfen.

Ist das wirklich intelligent?

Ob Sprachmodelle Sprache „verstehen“, ist eine der lebhaftesten Debatten in Wissenschaft und Philosophie. Sie erfassen offensichtlich sehr viel Wissen und lösen Aufgaben, die ihnen nie ausdrücklich gezeigt wurden. Zugleich funktionieren sie ganz anders als der menschliche Geist: Sie lernen aus Text statt aus dem Leben in der Welt und können auf eine Weise scheitern, wie es kein Mensch täte. In einem sind sich die meisten Forschenden einig: Diese Systeme sind mächtige Werkzeuge, deren Fähigkeiten und Grenzen noch vermessen werden.

Kurz gesagt

  • Chatbots laufen auf großen Sprachmodellen, die das nächste Token vorhersagen.
  • Text wird in Tokens zerlegt; das Modell wählt eines nach dem anderen.
  • Die meisten Modelle nutzen den Transformer von 2017, aufgebaut um Attention.
  • Das Training umfasst Vortraining, Feinabstimmung und menschliches Feedback (RLHF).
  • Sie können halluzinieren, haben einen Wissensstichtag und können Verzerrungen zeigen.
  • Nutzen Sie sie als Helfer, aber prüfen Sie wichtige Antworten.

Häufige Fragen

Durchsucht ChatGPT das Internet?

Ein Sprachmodell allein tut das nicht; es antwortet aus Mustern, die es im Training gelernt hat. Manche Chatbot-Produkte ergänzen ein Suchwerkzeug, das Webseiten abruft und dem Modell übergibt, und weisen meist darauf hin.

Warum machen KI-Chatbots Fehler?

Sie sind darauf trainiert, wahrscheinlich klingenden Text zu erzeugen, nicht Fakten zu prüfen. Sind die Trainingsdaten dünn, widersprüchlich oder veraltet, können sie „halluzinieren“: flüssige, aber falsche Antworten, manchmal mit erfundenen Quellen.

Versteht KI, was sie sagt?

Das ist umstritten. Sprachmodelle erfassen viel über Sprache und Welt und können viele Probleme durchdenken, funktionieren aber ganz anders als menschliche Gehirne. Forschende sind uneins, wie man ihr „Verstehen“ beschreiben soll.

Was ist ein Token?

Ein Token ist ein kleines Textstück, oft ein kurzes Wort, ein Teil eines längeren Wortes oder ein Satzzeichen. Sprachmodelle lesen und schreiben in Tokens, und ihre Grenzen werden oft in Tokens gemessen.

Quellen

  1. Vaswani et al. (2017) – Attention Is All You Need, arXiv
  2. Ouyang et al. (2022) – Training language models to follow instructions with human feedback, arXiv

Dieser Artikel basiert auf begutachteter Forschung und Veröffentlichungen vertrauenswürdiger Institutionen und wird regelmäßig überprüft. So arbeiten wir →